18 Stellplätze für Wohnmobile, dazu ein Technikgebäude für die Versorgung mit Strom und Trinkwasser, auch die Vorrichtung für die Entleerung der Toilette fehlt nicht – also ganz eindeutig ein Campingplatz. Das jedenfalls dachte sich der Anwohner eines Grundstücks in Keltern (Enzkreis). Aber weil es sich um ein Gewerbegebiet handelt, hielt er das Projekt seines Nachbarn im Gewann „Dammfeld/Regelbaum“ für illegal. Doch seine Klage gegen die Baugenehmigung wurde von zwei Gerichtsinstanzen abgewiesen.

Der Kläger, ein Händler von Schmuck und Uhren, lebt auf seinem Firmengrundstück in der Betriebsleiterwohnung. Die Wohnmobile auf der 1986 Quadratmeter großen Nachbarparzelle wollte er nicht akzeptieren, weil seiner Ansicht nach ein Campingplatz in einem Gewerbegebiet gar nicht zulässig ist. Im Grund lag er mit dieser Annahme richtig, zum Aufstellen von Zelten und Caravans bedarf es tatsächlich eines förmlichen Sondergebiets. Doch sowohl das Verwaltungsgericht in Karlsruhe als auch der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim konnten in Keltern gar keinen Campingplatz erkennen. Vielmehr handele es sich um Kundenstellplätze, stellten die Juristen übereinstimmend fest.

Die Parkbuchten, nur vier Meter breit, gehören zum Serviceangebot einer Firma, die Wohnmobile mit vollautomatischen Solar- und Satellitenanlagen bestückt. Weil die Montage nicht immer innerhalb weniger Stunden erledigt werden kann, dürfen die oft von weither angereisten Kunden des Unternehmens ihr rollendes Ferienheim neben der Werkstatt parken. Dieses Areal sei „sehr karg eingerichtet“, erklärte VGH-Sprecher Matthias Hettich, auch die Versorgungseinrichtung sei „sehr knapp gehalten“.

Von einer Erholung könne keine Rede sein, heißt es im Urteil (Aktenzeichen 3 S 250/16). Damit sei der eigentliche Zweck eines Campingplatzes nicht erfüllt. Schließlich liege ein solcher laut Baunutzungsverordnung in einem „Sondergebiet, das der Erholung dient“. Die Kunden könnten neben der Firma lediglich die Wartezeit überbrücken. Nicht einmal touristische Attraktionen könnten angefahren werden, weil ihr Fahrzeug ja in der Werkstatt benötigt werde. Mit dieser Auslegung der Paragrafen mag sich der Kläger nicht abfinden. Er hat beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Berufung eingelegt.