Ein Rechtsanwalt aus Heidelberg wurde zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Ein mitangeklagter Informatiker erhielt vier Jahre. Beide hätten über 1300 Straftaten im Zusammenhang mit angeblichen Lottospiel-Abos begangen, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Charissé. Die Fälle seien "nur ein Ausschnitt" aus dem gesamten kriminellen Geschehen von Betrug und Erpressung.

Bei dem Anwalt kommt Geldwäsche hinzu. Die Wirtschaftsstrafkammer verhängte ein vierjähriges Berufsverbot gegen den vorbestraften Juristen. "Die Allgemeinheit muss vor ihm geschützt werden", so die Vorsitzende. Der 42-Jährige habe seinen Beruf als Rechtsanwalt missbraucht. "Er log, trickste und fälschte Urkunden ohne mit der Wimper zu zucken", sagte Charissé.

Es war eine miese Masche, mit der die Angeklagten vor allem alte Menschen geprellt hatten. Den Opfern wurde eine Mitgliedschaft für monatlich 69 Euro bei "Lotto 3000" aufgedrängt, die nur Geld kostete, aber nichts einbrachte. Die Richterin sprach von einer "neuen Qualität der Telefonabzocke".

Zwischen März und November 2011 erhielten 300.000 Personen bundesweit Anrufe, um sie für die Lottospielgemeinschaft zu gewinnen. Neben der Chance auf Millionengewinne wurde ein Gutschein in Höhe von 100 Euro bei einem bekannten Versandhaus versprochen. Doch beides war gelogen und die Mitgliedschaft völlig wertlos.

Zwar hätten die Angeklagten einige hundert Lottoscheine "als Deckmäntelchen" gekauft. Gewinne seien aber nicht weitergegeben worden. Insgesamt hätten beide 168.000 Euro eingenommen. Das meiste sei aber "von Unkosten aufgefressen" worden, sagte die Richterin.

Bei den Telefonaten von Call-Centern aus ging es darum, den Opfern oft ein Ja zu entlocken. Daraus wurde dann eine Mitgliedschaft bei "Lotto 3000" konstruiert. Zum "Beweis" wurde das Telefonat aufgenommen und so geschnitten, dass sich daraus scheinbar eine Zustimmung ergab. 30.000 tappten in die Falle, 5000 von ihnen waren mindestens 80 Jahre alt. Die sich weigerten, die monatlichen Beiträge zu zahlen, bekamen Mahnschreiben aus der Kanzlei des Anwalts und automatisierte Drohanrufe vom Band.