Vor rund 2000 Gläubigen hat Kurienerzbischof Georg Gänswein am Donnerstag seine erste Predigt im Freiburger Münster seit seiner Priesterweihe vor 29 Jahren gehalten. Hunderte Menschen standen dicht gedrängt in dem gotischen Gotteshaus, um einen Blick auf den 57-Jährigen zu werfen. Der Schwarzwälder lebt seit zwei Jahrzehnten in Rom.

Der Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. warb für eine zeitgemäße Sichtweise auf Mariä Himmelfahrt. "Heute steht das Dogma von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel eher im Weg herum", sagte Gänswein an dem katholischen Festtag. Spekulationen, die Predigt sei eine Bewerbungsrede um das Amt eines Erzbischofs, hatte Gänswein vor Tagen dementiert.

Gänswein fragte, ob es nicht "unsinnig und töricht" sei zu behaupten, dass ein Mensch mit dem Leib in den Himmel aufgenommen werden könne. Vor langer Zeit habe solch ein Satz vielleicht einmal Sinn gemacht, "aber unsere Lage ist ja völlig verändert". Den Begriff Himmel müsse man weiter fassen als Wolken und Sterne - nämlich, "dass Gott Platz hat für den Menschen und dass Gott dem Menschen Ewigkeit gibt". Gänswein sagte: "Wen Gott liebt, der vergeht nicht mehr."

1950 verkündete Papst Pius XII. das Dogma - also einen für Katholiken verbindlichen Glaubensinhalt - dass Maria bei ihrem Tod "mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen" wurde. Mariä Himmelfahrt dient vielen als die Begründung dafür, dass es weder ein Grab noch Reliquien Marias gibt. Christen feiern seit dem siebten Jahrhundert Mariä Himmelfahrt.