Wolfsriss Genetische Spur führt nach Niedersachsen

Experten untersuchen die Kadaver.  F
Experten untersuchen die Kadaver. F © Foto: oto: Christoph Schmidt/dpa
Bad Wildbad / Mathias Schmid (mit dpa) 03.05.2018

Gekommen, um zu bleiben: „Der Wolf war seit fünf Monaten im Nordschwarzwald“, sagt der Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne), der auch Nabu-Wolfsbotschafter ist. Das Tier ist sehr wahrscheinlich  für die erste große Wolfsattacke im Südwesten mit mehr als 40 getöteten Schafen verantwortlich. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf Montag bei Bad Wildbad (Kreis Calw). Der Wolf ist wohl derselbe, der Ende Oktober 2017 in Widdern (Landkreis Heilbronn) Schafe gerissen hat. Er gehörte ursprünglich zu einem Rudel aus der Nähe von Schneverdingen in Niedersachsen.

Rösler spricht von einem „zeitlichen Zufall“: Auch ohne den Wolfsriss wären Maßnahmen zum Schutz von Herdentieren eingeleitet worden. Rösler zufolge hätten sich die Zuständigen im Umweltministerium bald zusammengesetzt. Denn hält sich ein Wolf ein halbes Jahr lang im selben Gebiet auf, gilt er als „resident“, sprich ortstreu.  Besagtes Exemplar war seit Ende Oktober fünfmal genetisch identifiziert worden, viermal davon im Nordschwarzwald.

Der Experte spricht sich für einen angemessenen Schutz der Nutztiere aus – etwa durch Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Dabei dürfen Schäfer und andere Nutztierhalter nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben, gerade auch bei der Unterhaltung der Zäune und Hunde. Gleiches gilt für die Entschädigung der Schäfer. Jagd- und Umweltverbände haben bisher einen mit  10 000 Euro bestückten Wolfs-Fonds eingerichtet. „Das Geld fließt sehr schnell und unbürokratisch“, sagt Rösler. Vom Land werden am Jahresende 70 Prozent der Kosten übernommen. „Gerade wird diskutiert – und das befürworte ich auch, dass der Landesanteil auf 80 bis 90 Prozent aufgestockt wird.“

Der betroffene Schafhalter-Hof fürchtet derweil um seine Existenz und fordert Maßnahmen seitens der Politik. „Wir hoffen, dass wir endlich ernst genommen und gehört werden“, sagte Landwirt Gernot Fröschle gestern. „Wir brauchen mehr Unterstützung und Geld: für mehr Personal, mit dem wir die Herden schützen können, und für Hochsicherheitszäune“, sagte der Schafhalter. Den nötigen Schutz der Herde könne der Betrieb aus eigenen Mitteln nicht stemmen. „Das geht uns absolut an die Existenz.“

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