Der Gemeindetag rechnet mit einer Kostenlawine, falls Kindergärten im Südwesten gebührenfrei werden sollten. Die SPD, die eine kostenfreie Kinderbetreuung fordert, geht für den Fall von 529 Millionen Euro im Jahr aus, die zusätzlich entstünden. Dabei werde es aber nicht bleiben, sagte Gemeindetagspräsident Roger Kehle der „Stuttgarter Zeitung“ (Montag). Denn bei einer Gebührenfreiheit kämen auch deutlich mehr Kinder in die Betreuung.

Aus einer Untersuchung des Gemeindetags geht hervor, dass sich die jährlichen Betriebskosten der Einrichtungen um 577 Millionen Euro erhöhen, wenn die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren von aktuell 29 Prozent auf etwas über 40 Prozent steigt. Hinzu kämen einmalige Investitionskosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro sowie ein Bedarf an 10 500 zusätzlichen Kita-Fachkräften.

In einem zweiten Szenario mit einem Anstieg der Betreuungsquote um 31 Prozentpunkte auf dann 60 Prozent würden die Betriebskosten um mehr als 1,6 Milliarden Euro steigen. Dann wären Investitionen in Höhe von fast acht Milliarden Euro und fast 30 000 zusätzliche Fachkräfte nötig. In den Kitas arbeiten derzeit knapp 93 000 Menschen. Gemeindetagspräsident Kehle bestätigte diese Angaben der Zeitung.

Die Landes-SPD will gebührenfreie Kitas. Ein von ihr geplantes Volksbegehren in der Sache hatte das CDU-geführte Innenministerium aber abgelehnt - aus rechtlichen Gründen, wie es hieß. Nun muss das Landesverfassungsgericht entscheiden, ob das Volksbegehren zulässig ist. Die grün-schwarze Landesregierung lehnt komplett gebührenfreie Kitas ab, weil das nicht finanzierbar sei.

SPD-Landeschef Andreas Stoch sagte, die Schätzungen des Gemeindetags unterstrichen die Notwendigkeit gebührenfreier Kitas. „Wenn der Gemeindetag als deren Folge von einem Zuwachs im Kleinkindbereich von elf bis 31 Prozent ausgehe, zeige dies ausdrücklich, welche Hürde die Elternbeiträge aktuell darstellten.“ Es wäre richtig, wenn sich mit einer Gebührenfreiheit die Betreuungsquote erhöhe.