Prozess Geld und Smartphone für Sex mit einem Kind

Madeleine Wegner 17.03.2017

Akkurater Haarschnitt, schmal geschnittenes Jackett, Grinsen im Gesicht: So saß der 23-jährige Reutlinger am Donnerstag im Schwurgerichtssaal des Tübinger Landgerichts, als Staatsanwältin Rotraut Hölscher die Anklage verlas. Die Liste der Taten, die die Staatsanwaltschaft dem Reutlinger Angeklagten vorwirft, ist  lang. Der Reutlinger sei bereits seit mehreren Jahren als Escort tätig gewesen und habe Kontakte zu zahlungskräftigen, erwachsenen Männer gehabt. Auf Internetplattformen soll er Sex gegen Bezahlung und „ohne viel Blabla“ angeboten haben.

 Kontakte zu Minderjährigen soll er über Internetplattformen angebahnt haben. Im Frühjahr 2015 habe er sich beispielsweise mit einem 14-Jährigen für sexuelle Handlungen getroffen. Dafür habe er dem laut Anklage „äußerst kindlich aussehenden Jugendlichen“ Geld, ein Smartphone oder ähnlich teure Dinge gegeben. Außerdem habe er pornografische Fotos von dem Jungen gemacht – als Werbung, um anderen Männern Sex mit dem Jungen für Geld anzubieten.

Der Junge sollte getötet werden

Ebenfalls über das Internet und verschiedene Internet-Plattformen und Chat-Dienste habe er Kontakt zu erwachsenen Gleichgesinnten gesucht. Seit spätestens Ende 2014 soll er vorgehabt haben, ein Kind zu entführen. Mit einem früheren Sexualpartner habe er sich darüber ausgetauscht, ein Kind in der Nähe einer Schule oder eines Sportgeländes zu entführen, es in einen Kleinbus zu locken und zu vergewaltigen. Auch über die „Entsorgung“, also Tötung des Opfers, habe er sich bereits Gedanken gemacht. Dem anderen Mann sei dies schließlich zu viel geworden, er habe die Beziehung zu dem Reutlinger im August 2015 abgebrochen.

Übers Internet soll sich der junge Mann auf die Suche nach einem neuen „Partner für etwas Großes“, nämlich für einen „Dreier mit Milchbubis“ gemacht haben. Er fand zwei Gleichgesinnte aus Metzingen und Vaihingen/Enz, mit denen er sich im Juni 2016 in Stuttgart getroffen haben soll, um die Entführung zu planen. Später habe sich der Reutlinger bei seinen Komplizen für die „guten Ideen“ bedankt. Zur Umsetzung des Plans kam es – durch die Festnahme im August vergangenen Jahres – nicht mehr.

Bis nach Thailand sollen die Pläne des jungen Mannes gereicht haben. Dort scheinen sie auch teilweise bereits umgesetzt worden zu sein: Einen Bekannten soll der Reutlinger in Thailand beauftragt haben, mehrere Jungen zu organisieren – mit Gewalt oder notfalls mit Drogen wolle man die „Boys“ gefügig machen.

Fünf Jungen soll der kambodschanische Komplize dann auch tatsächlich in Thailand „geholt“ haben. Fotos von acht- bis 18-Jährigen habe er zum Beweis dem Reutlinger Auftraggeber geschickt und weiteres Geld für den Unterhalt der Jungen gefordert. Der junge Reutlinger soll angekündigt haben, mit seinem Geschäftspartner bei einer  für den November vergangenen Jahres geplanten Thailand-Reise die Jungen zunächst selbst zu vergewaltigen und dann zur Prostitution zu zwingen.

Nicht zuletzt listet die Anklageschrift zahlreiche Delikte rund um jugend- und kinderpornografisches Material auf. Vor allem soll der Angeklagte hunderte solcher Bilder, darunter Fotos von Jungen im Alter weniger Monate, verschickt haben.

Verteidiger Achim Unden kündigte gestern an, dass sein Mandant umfassende Angaben machen wolle. Da es dabei unter anderem um konkrete Sexualpraktiken gehen sollte, wurde die Öffentlichkeit zum Schutze der minderjährigen Opfer ausgeschlossen.