Fünfeinhalb Jahre Gefängnis für den Rädelsführer, dreidreiviertel beziehungsweise drei Jahre Haft für die beiden Werfer der Molotowcocktails sowie Bewährungsstrafen zwischen 6 und 18 Monaten und eine Verwarnung für die drei Mitwisser der Tat: Mit diesem Urteil ging am Freitag vor dem Ulmer Landgericht der Prozess um den Brandanschlag auf die türkische Milli-Görüs-Moschee am Ehinger Tor zu Ende.

Anschlag war heimtückisch und rücksichtslos

Für die 3. Große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Wolfgang Tresenreiter stand nach elf Verhandlungstagen fest, dass die drei Haupttäter wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung zu verurteilen sind. Obwohl bei dem in der Nacht auf den 19. März 2018 verübten Anschlag niemand zu Schaden kam, ja nicht einmal nennenswerter Sachschaden entstand, hätten die Beteiligten – allesamt kurdische Syrer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren – „einen Vollbrand des fünfstöckigen Wohnhauses im Sinn gehabt, um ein Fanal zu setzen“, wie Tresenreiter in seiner kapp einstündigen Urteilsbegründung ausführte.

In der Tatnacht hatte einer der Täter eine mit Benzin gefüllte brennende Bierflasche gegen eine Fensterscheibe geworfen. Die hielt stand, das Benzin ging in einem Feuerball auf und entzündete sich entlang der Hauswand. Worauf der zweite Werfer seine beiden Flaschen in das Flammenmeer warf. Lediglich ein paar auf der Straße stehende Plastikkörbe eines türkischen Lebensmittelladens kokelten an und konnten von einer Polizeistreife schnell gelöscht werden. Die Täter hatten sich derweil aus dem Staub gemacht.

Allerdings schliefen in den oberen Stockwerken des Gebäudes, in dem auch Räume der konservativ gesinnten türkischen Religionsgemeinschaft sind, zur Tatzeit acht Menschen. Dass das Haus bewohnt gewesen sei, sei den Tätern bekannt und ob der beleuchteten Klingelschilder auch klar ersichtlich gewesen, so der Richter. Das sei den Männern egal gewesen. „Etwas Türkisches sollte brennen.“

Für die Motivation der bis zur Tatnacht unbescholtenen und vor Gericht kooperativ auftretenden Männer zeigte das Gericht sogar ein gewisses Maß an Verständnis. Alle Angeklagten sind Bürgerkriegsflüchtlinge, alle stammen aus der Gegend um Afrin. Wenige Wochen vor dem Anschlag war die mehrheitlich von Kurden bewohnte Gegend von türkischen Truppen angegriffen und bombardiert worden, zahlreiche Zivilisten – wohl auch Angehörige der Angeklagten – kamen ums Leben. Umso unverständlicher sei es, dass die Täter ebenso skrupellos wie die von ihnen angeprangerten Aggressoren vorgegangen seien. „Man nimmt den Tod wehrloser Zivilisten in Kauf.“

Dass die Männer in der Tatnacht emotional aufgewühlt waren, zeigt ihr Verhalten wenige Stunden vor der Tat. Am Ulmer Hauptbahnhof hatten sie lautstark gegen die türkische Militärintervention demonstriert und einen einfahrenden Intercity ausgebremst. Nach Festnahme, Verhör und der kurz vor Mitternacht erfolgten Freilassung durch die Ulmer Polizei nahm der wohl Tage zuvor angedachte Plan eines Brandanschlags konkrete Formen an. Er wurde in der gleichen Nacht umgesetzt. Zwei aus der Sechsergruppe hatten Bedenken mitzumachen, einer war nach der Demo wegen akuter Suizidgefahr in die Psychiatrie gebracht worden. Alle seien aber in die Tat eingeweiht gewesen und hätten sie auch gebilligt, so das Gericht.

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