Stuttgart / DPA  Uhr

Mit einem Qualitäts-Ratgeber sollen die Ganztagsschulen im Land besser und attraktiver werden. Der Ausbau des Ganztags liege deutlich hinter den Erwartungen zurück, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag in Stuttgart. An manchen Standorten sei das Engagement ins Stocken geraten. Im Schuljahr 2018/2019 hätten gerade einmal 18 Prozent aller Grundschulen ein Ganztagsangebot eingerichtet. Viele Eltern seien noch nicht von der Qualität der Ganztagsschulen überzeugt.

Es mangele an einer landesweiten, systematischen Unterstützung, etwa was Pausen oder Ernährung betrifft. Mit einem 38-seitigen Qualitätsrahmen wolle man den Schulen Orientierung geben, sagte Eisenmann. Dabei handle es sich um keine Checkliste, die sklavisch abgearbeitet werden müsse. Die Schulen würden selbst über den Weg und die Geschwindigkeit entscheiden.

Der Verband Bildung und Erziehung im Land begrüßte den neuen Leitfaden. Für die Umsetzung brauche es aber qualifiziertes Personal. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Fulst-Blei, sagte, Eisenmann produziere damit „den nächsten Papiertiger“. Die Schulen brauchten nicht nur Ratschläge, sondern mehr Ressourcen für die praktische Umsetzung.

In Baden-Württemberg gibt es derzeit rund 500 Ganztagsschulen - das sind weitaus weniger, als die damalige grün-rote Landesregierung 2014 geplant hatte. Die breite Masse bietet den Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder halbtags oder ganztags beschulen zu lassen. Sie müssen sich dabei aber für ein ganzes Schuljahr festlegen. Laut Eisenmann wünschen sich die Eltern eine flexible Betreuung und die Schulleitungen einen geringen Organisationsaufwand. Kennzeichnend für den Unterricht an der Ganztagsschule ist der über den Tag verteilte Wechsel zwischen Phasen der An- und der Entspannung.