Kommentar Roland Müller zum neunjährigen Gymnasium G8 oder G9: Brüchiger Burgfrieden

Roland Müller
Roland Müller © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Roland Müller 22.06.2018

Bei aller grün-schwarzen Streiterei muss man der Landesregierung eines lassen: Das Thema G9 hat sie bisher erfolgreich unter dem Deckel gehalten. Die Grünen wollen nicht, die CDU traut sich nicht; so steht der Kompromiss, dass nur 44 „Modellschulen“ im Südwesten das neunjährige Gymnasium anbieten dürfen. Auch wenn das ziemlich inkonsequent ist.

Dass die Eltern die Versprechen, die die CDU unter dem Motto „Wahlfreiheit“ gemacht hat, nicht vergessen, zeigt sich jetzt. In Bayern ist die CSU unter dem Druck längst eingeknickt und kehrt zu  G9 zurück. Und auch im Südwesten ist das Thema nur aufgeschoben. Denn neue Reformen in der Schulstruktur sind dringend nötig. Das Nebeneinander von Gemeinschafts-, Realschulen und Gymnasien funktioniert nicht, weil die Schularten sich immer ähnlicher werden und um Schüler konkurrieren. An allen Ecken und Enden fehlen Lehrer, während viele Schulen schlicht zu klein sind. Der Ausbau von Inklusion und Ganztagsangeboten gerät dabei ins Hintertreffen. Das G9 ist keine Antwort auf diese Probleme. Aber es steht für den brüchigen Burgfrieden, der die vielen Widersprüche im System kaschieren soll.

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