Bunker Fundament eines Führerbunkers von Adolf Hitler im Nationalpark Schwarzwald

Baiersbronn / HANS GEORG FRANK 28.09.2015
Zum Nationalpark Schwarzwald gehört ein Gelände mit ganz besonderer Geschichte. Adolf Hitler ließ auf dem Kniebis ein bombensicheres Hauptquartier bauen. Reste davon sind erhalten und sichtbar.

Die freundliche Frau im Informationszentrum auf dem Kniebis rät von dem Ausflug nahe der Zollstockhütte ab: "Da ist außer ein paar Betonsstückchen nichts zu sehen." Der Wanderer geht dennoch hin und trifft auf eine Familie aus Horb, die zwischen Fichten und Farnen das Gelände absucht. Immer wieder klickt die Kamera, ungewöhnliche Brocken werden genau untersucht. Hier, auf 950 Meter Höhe am Rand eines Hochmoores auf Baiersbronner Gemarkung, ließ Adolf Hitler eines seiner Führerhauptquartiere errichten. Nicht alles wurde bei Sprengungen pulverisiert. Mancher "Forscher" steckt ein Souvenir in den Rucksack.

"Mit diesem Erbe ist sehr schwer umzugehen", sagt Walter Trefz. Er kennt dank 35-jähriger Tätigkeit als Förster nicht nur jeden Baum, er weiß natürlich um die Bedeutung dieser Relikte unweit der Schwarzwaldhochstraße. In 460.000 Arbeitsstunden entstanden aus 2340 Kubikmeter Beton zwei bombensichere Bauwerke. Gesamtfläche: 275 Quadratmeter. Daneben existierten Flakstellungen und vorgelagerte Kampfbunker. "Tannenberg" hieß Führers Filiale, benannt nach dem ostpreußischen Schauplatz einer Schlacht im Ersten Weltkrieg. Hitler hielt sich aber nur von 27. Juni bis 5. Juli 1940 im Schwarzwald auf.

Heute gehört das einstige Schutzgebiet, insgesamt rund sechs Hektar groß, zu den 10.000 Hektar des Nationalparks Schwarzwald. "Es wird aufgepasst, dass nichts passiert", erklärt Leiter Wolfgang Schlund. Für den Park-Hüter hat das "Führerhauptquartier" eine Bedeutung "wie so viele andere Kulturdenkmale auch", gemeint sind etwa Brücken und Grenzsteine. Die Verwaltung des Parks gehe "ganz normal" mit diesen Trümmern des Nationalsozialismus um. Also wird nicht offensiv darauf hingewiesen oder gar eine Tafel aufgestellt. "Wo man sie sieht, werden sie angesprochen", sagt Schlund. Erst kürzlich habe es eine Exkursion gegeben.

Trefz, pensionierter Forstmann und Kreisrat der Grünen, hält überhaupt nichts von Geheimniskrämerei. Er würde lieber anschaulich informieren, etwa so wie über die Flößerei und die Köhlerei im Nationalpark: "Dieses Führerhauptquartier darf man nicht verschweigen." Doch Trefz ist bewusst, dass es sich bei einer anschaulichen Dokumentation um "eine richtige Gratwanderung" handelt. Denn einerseits sei "eine Reliquienstätte der braunen Subkultur" zu verhindern. Andererseits müsse man gerade dieses Kapitel der deutschen Geschichte aufzeigen, "damit wir unsere Lehren daraus ziehen und sie sich nicht wiederholt".

Als kleiner Bub ist Walter Trefz oft zu den gesprengten Betonfragmenten geradelt: "Für Kinder war das natürlich spannend, wir haben herumgestöbert und wollten etwas entdecken." Er weiß auch, dass Leute aus Baiersbronn für ihre Bäder Fliesen geholt hätten, "die angeblich der Führer berührt hatte".

Einer der Munitionsbunker war einigermaßen unbeschädigt erhalten. Dort lagerte das Forstamt Dünger für die Baumkulturen ein, weiß Trefz noch aus seiner aktiven Zeit als Förster. Dieses Nazi-Bauwerk mit Erde überdeckt. Walter Trefz kann sich gut vorstellen, dass dieses Element genutzt werden könnte, "um zu erklären, was dort geschehen ist".

Wolfgang Schlund kennt dieses Überbleibsel nicht. Er hält ohnedies eher eine Ausstellung auf der Alexanderschanze für denkbar: "Dieser Idee stehe ich positiv gegenüber." Das Land hat das leer stehende Hotel gekauft. Dort, meint Schlund, könnte ein Bogen geschlagen werden vom Dreißigjährigen Krieg bis in die Gegenwart. "Konkrete Pläne gibt es aber nicht", sagt er der SÜDWEST PRESSE. Für ihn steht nur fest, dass im geplanten Nationalparkzentrum, das bis 2018 für 18,5 Millionen Euro am Ruhestein entstehen soll, nicht über das elf Kilometer entfernte Führerhauptquartier aufgeklärt wird: "Das wäre der falsche Ort."

Bedeutungsverlust nach Hitlers Abreise

Aufbau Die Organisation Todt, eine militärisch organisierte Einheit, hat für den Bau des "Führerbunkers" ab 1. Oktober 1939 rund 500 Arbeiter eingesetzt. Der Standort am Westwall musste nach Hitlers Vorgabe möglichst nahe an der französischen Grenze und doch außerhalb der Reichweite der feindlichen Artillerie liegen. Eine Abteilung des Oberkommandos der Wehrmacht quartierte sich im Hotel Alexanderschanze ein.

Aufenthalt Hitler nutzte seinen achttägigen Aufenthalt - wegen der feuchten Mauern meist außerhalb des Bunkers - für Abstecher nach Straßburg und das Besichtigen von Kampfstätten des Ersten Weltkriegs. Im Lazarett Freudenstadt besuchte er verwundete Soldaten. Er empfing Nazi-Größen wie Goebbels und von Schirach, auch eine Abordnung von "Arbeitsmaiden". Im Bunker befasste er sich mit Plänen für eine Invasion Englands.

Abbruch Das Führerhauptquartier zwischen Alexanderschanze und Schliffkopf wurde bereits ab November 1940 nicht mehr bestimmungsgemäß genutzt. Die mit Stacheldraht eingezäunte Anlage war bis März 1945 nur noch ein "Kommandoposten". Was bei der Sprengung durch deutsche Pioniere nicht zerstört worden war, sollten US-Einheiten beseitigen. Dennoch blieb genug übrig, um als Baumaterial wiederverwertet zu werden.

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