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70 Kilometer sind es von Freudenstadt am Ostrand des Schwarzwalds nach Straßburg - oder doch nach Strasbourg? Fotos: Karl-Heinz Kuball
70 Kilometer sind es von Freudenstadt am Ostrand des Schwarzwalds nach Straßburg - oder doch nach Strasbourg? Fotos: Karl-Heinz Kuball
Freudenstadt / RAIMUND WEIBLE 03.12.2012
Verwirrung in Freudenstadt. Auf den Wegzeigern an der B 28 steht mal Straßburg, mal Strasbourg. Ein ganz schönes Durcheinander. Fragt sich nur: Wer ist dafür verantwortlich?

Ja, können sich die denn nicht entscheiden, fragt sich mancher Autofahrer, der in Freudenstadt auf der B 28 fährt. Am Rand der neuen vierspurigen Fahrbahn an der östlichen Stadteinfahrt steht ein Schild, das den Weg in die elsässische Hauptstadt weist. Verwendet haben die Schildermaler den französischen Namen der Stadt, eben "Strasbourg". Ein paar hundert Meter weiter wiederum findet er die deutsche Schreibweise auf dem Wegzeiger: "Straßburg", wie man es gewohnt ist.

Was für ein Durcheinander! Aufklärung liefert die Verkehrsbehörde des Landratsamts Freudenstadt. Im Straßenverkehrsrecht gibt es eine Richtlinie, welche die grenzüberschreitende Wegweisung für Ziele in benachbarten Ländern regelt. Danach ist im Allgemeinen die ausländische Schreibweise zu wählen. Weicht die Ortsbezeichnung stark ab, kann die deutsche Schreibweise verwendet werden und die ausländische Bezeichnung durch Schrägstrich getrennt nachgestellt werden. So gibt es Schilder in Sachsen mit der Aufschrift Breslau/Wroclav.

Straßburg ist von Freudenstadt 70 Kilometer entfernt. War es da sinnvoll, die französische Schreibweise zu verwenden? "Wir haben darüber kontrovers diskutiert", sagt Bernd Hofer vom Landratsamt Freudenstadt, "aber wir haben dann eben die Anordnung umgesetzt." Da jeder weiß, was unter "Strasbourg" verstanden wird, unterblieb die deutsche Bezeichnung auf den Schildern. Aber warum dann die deutsche Schreibweise auf anderen Schildern?

Das ist dem schwäbischen Sparsinn des Landratsamts geschuldet. Die Behörde hat nur dort, wo neue Schilder gebraucht wurden, die neue Schreibweise verwendet. Die bestehenden Schilder tauscht sie nur nach und nach aus.

An das Prinzip, bei Ortsnamen auf Verkehrsschildern nahe der Grenze künftig die jeweilige Schreibweise des Nachbarn zu verwenden, halten sich übrigens auch die französischen Behörden. In der Rue des Bonnes Gens in Colmar, 50 Kilometer von der Breisgaumetropole entfernt, steht auf dem Wegzeiger "Freiburg". Und nicht "Fribourg", die französische Bezeichnung für Freiburg.

In Freudenstadt wird es künftig aber so sein, dass die Autofahrer auf der Straßburger Straße nach Strasbourg fahren. Die Stadt Freudenstadt wird diese alte Straßenbezeichnung nicht in "Rue de Strasbourg" ändern. Da greift das Straßenverkehrsrecht nicht.