Falsche Polizisten Freispruch aus Mangel an Beweisen

Mannheim / Ulrich Willenberg 24.08.2018

Sie geben sich am Telefon als Polizisten oder Staatsanwälte aus und versetzen bevorzugt Ältere in Angst und Schrecken. Erneut ist eine Seniorin auf diese üble Masche hereingefallen. Die 71-jährige Heidelbergerin übergab einem vermeintlichen Beamten Kunstgegenstände im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Im irrigen Glauben, dieser werde diese vor Einbrechern in Sicherheit bringen und später zurückgeben. Im Nachhinein verstehe sie ihr Verhalten nicht, sagte sie im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Das Heidelberger Landgericht sprach den angeklagten 30-jährigen Türken jetzt aus Mangel an Beweisen frei. Staatsanwalt Christian Fuchs hatte fünf Jahre und zehn Monate beantragt. „Sie sind nicht wegen erwiesener Unschuld freigesprochen“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Mühlhoff. Danach wurde der Mann zurück ins Gefängnis nach Stuttgart gebracht. Dort sitzt er eine 20-monatige Haftstrafe ab. Er war verhaftet worden, als er 24 000 Euro bei einem Opfer abholen wollte. Und das wenige Tage nach dem Heidelberger Fall.

Dort erhielt die Kunsthistorikerin am 1. Juni 2017 nachts den Anruf eines vermeintlichen Kriminalbeamten. Der erklärte, man habe Einbrecher verhaftet und dabei eine Notiz gefunden. Darauf sei die Adresse der Frau gewesen, die wertvolle Kunstwerke im Haus hatte, einen Safe bei der Bank und ein Konto im Ausland. „Sie wussten alles von mir. Das war das Schlimme.“ Mehrfach sei sie in der Nacht angerufen und „in die Enge getrieben worden, sagte die Zeugin. Auch mit einem „Staatsanwalt „Lorenz“ habe sie gesprochen. Am frühen Morgen habe sie dann einem jungen Mann mehrere kostbare Kunstwerke übergeben. Weder bei der Polizei noch vor Gericht konnte sie den Angeklagten zweifelsfrei als den Täter identifizieren. Und andere Beweismittel fehlen.  So hieß es: Im Zweifel für den Angeklagten.

Eines steht aber fest: Der in Bremen lebende 30-Jährige war bei einer ähnlichen Tat in Stuttgart dabei. Und das nur wenige Tage nach dem Betrug mit den Kunstwerken in Heidelberg. Die Anrufer sitzen in der Türkei in  Call-Centern und telefonieren von dort bundesweit mit po­tentiellen Opfern, sagte eine ­Kripobeamter. Allein in diesem Jahr seien im Raum Stuttgart schon rund 500 Anrufe von falschen ­Polizisten registriert worden.

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