Anfeindungen Fraktionsvize der AfD Emil Sänze auch intern in Kritik

Der AfD-Landtagsabgeordnete Emil Sänze.
Der AfD-Landtagsabgeordnete Emil Sänze. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Roland Muschel 01.08.2018
Experten werten Anfeindungen gegen Landtagspräsidentin Aras als undemokratisch und völkisch geprägt.

Mit Daniel Rottmann, Klaus Dürr, Harald Pfeiffer und Stefan Herre haben sich vier der 20 AfD-Abgeordneten klar von scharfen Anfeindungen des AfD-Fraktionsvize Emil Sänze gegenüber der türkischstämmigen Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) distanziert. Dessen Presseerklärung sei „nicht von der Fraktion autorisiert“; sprachlich wie inhaltlich sei deren Stil „unangemessen“. Sänze, der auch Presseverantwortlicher der Fraktion ist, solle sich „freiwillig ins zweite Glied verabschieden“

Sänze wiederholt Vorwürfe

Sänze zeigte sich unbeeindruckt. Er wiederholte am Mittwoch seinen Vorwurf, die Landtagspräsidentin instrumentalisiere Besuche in NS-Gedenkstätten für parteipolitische Zwecke. „Frau Aras hat keine deutschen Wurzeln. Ich spreche ihr daher das Recht ab, das ‚Wir’ zu nutzen, wenn sie über die historische Vergangenheit Deutschlands und die historische Betroffenheit spricht“, sagte Sänze am Mittwoch dieser Zeitung. Aras ist seit 1994 deutsche Staatsbürgerin.

Derartige Aussagen empören auch namhafte Experten. „Es ist geradezu absurd und grenzt an Rassismus, Frau Aras das Recht abzusprechen, sich erinnerungspolitisch in der deutschen Öffentlichkeit zu engagieren“, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, Stefanie Schüler-Springorum, sagte der Zeitung, Sänzes Äußerungen seien „geprägt von einem völkischen Staatsverständnis, das in einer Demokratie schlicht nichts zu suchen hat“. Die Vorwürfe seien ohne Substanz, sie „treffen mich daher auch nicht“, so Sänze.

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