Main-Tauber-Kreis / KATHARINA GABEL  Uhr
Der Main-Tauber-Kreis beschlagnahmt ein Gebäude in Tauberbischofsheim, um Flüchtlinge unterzubringen. Die Begründung: Die Stadt habe sich verweigert.

Sie kommen aus Syrien, Gambia, Somalia und Eritrea - 28 Flüchtlinge werden am 13. August in ein Gebäude der ehemaligen Kurmainz-Kaserne in Tauberbischofsheim einziehen. Weitere elf Männer werden im Lauf des Monats erwartet.

Um den Asylbewerbern einen geeigneten Schlafplatz zu bieten, macht das Landratsamt des Main-Tauber-Kreis Ernst: Wie vergangene Woche angekündigt, beschlagnahmt die Behörde ein Gebäude der Stadt für maximal ein halbes Jahr. Die Schlüssel werden morgen übergeben. Die Stadt habe deutlich gemacht, dass sie eine zeitlich befristete Beschlagnahme des Gebäudes dulden und keine Rechtsmittel einlegen werde, sagt Markus Moll, Sprecher des Landratsamtes. Die Stadt wollte sich gestern nicht äußern - Bürgermeister Wolfgang Vockel wolle sich noch mit dem Gemeinderat besprechen, hieß es.

Vockel hatte vergangene Woche in einer Pressekonferenz die Vorwürfe des Landkreises zurückgewiesen und betont, die Stadt wolle sich nicht verweigern. Entzündet hatte sich der Streit daran, dass nach Aussage des Landrats von der Stadt kein einziges taugliches Angebot für eine Unterbringung der Asylsuchenden eingereicht worden sei. Die Kommune habe teils Bauruinen oder erheblich heruntergekommene Immobilien angeboten und den Vorschlag des Landkreises abgelehnt. Aufgrund "der extrem schwierigen Situation" habe der Landkreis in Erwägung gezogen, ein geeignetes Gebäude der ehemaligen Kaserne zu beschlagnahmen. Daraufhin habe der Landkreis ein anderes Gebäude auf dem Gelände besichtigen dürfen. Die Verwaltung sei zum Schluss gekommen, dass das Gebäude gleichermaßen zur Flüchtlingsunterbringung geeignet wäre.

"Wir sind froh, dass die Notsituation bei der Unterbringung in der Flüchtlingsunterbringung mit dieser Maßnahme entschärft werden konnte", sagt Landrat Reinhard Frank. In den bestehenden Gemeinschaftsunterkünften im Kreis sind alle Kapazitäten ausgeschöpft.