Heidelberg Flüchtling legte Feuer in Asylunterkunft

Heidelberg / ULRICH WILLENBERG 22.03.2016
Mitten in der Nacht legen zwei Betrunkene in einem Heidelberger Flüchtlingsheim Brände. Verletzt wird niemand. Nun ist das Duo verurteilt worden.

Er legte Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft und gefährdete das Leben von mehr als 100 zumeist schlafenden Menschen. Das Heidelberger Landgericht verurteilte den Pakistaner jetzt zu einer Bewährungsstrafe von 17 Monaten. Die Strafkammer befand den 24-Jährigen der Sachbeschädigung und der versuchten Brandstiftung für schuldig. Der junge Mann hatte in der Nacht zum 11.Oktober 2015 im Flur des Gebäudes unter anderem Kinderwagen, Kartons und Wäsche in Brand gesetzt. Ein mitangeklagter Landsmann sah zu, ohne einzugreifen. Der 27-Jährige wurde wegen Beihilfe zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Oberstaatsanwalt Florian Pistor forderte Haftstrafen von drei beziehungsweise zwei Jahren.

Der Hintergrund für die Tat bleibt rätselhaft. "Wir haben nicht ansatzweise ein Motiv feststellen können", sagte der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich. Verteidiger Patrick Welke nannte die Tat eine "Schnapsidee". Und meinte das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Angeklagten hatten Stunden zuvor zwei Flaschen Whiskey konsumiert. Vor allem der verheiratete 24-Jährige, dessen Frau ein Kind erwartete, wollte es "noch mal richtig krachen lassen", sagte der Richter. Am Abend besuchten beide einen Bekannten in der Unterkunft im Heidelberger Stadtteil Pfaffengrund. Als sie nach Mitternacht das Gebäude verließen, legte der 24-Jährige an sechs Stellen Feuer. Zum Glück bemerkte ein Flüchtling aus Afrika den Rauch frühzeitig, als er gerade betete. Warum der Jüngere das Feuer legte, darauf wusste der junge Mann keine Antwort. Er behauptete bis zuletzt, sich nicht mehr erinnern zu können, bestritt die Tat aber nicht. "Es tut mir sehr leid. Ich mache nie wieder das", sagte er in gebrochenem Deutsch. Der 27-jährige Mitangeklagte, der früher in der Unterkunft wohnte, bat um Verzeihung.

Der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich bezeichnete die Tat als "ganz erheblich fahrlässig". Die gelegten Feuer seien "nicht geeignet" gewesen, das Gebäude in Brand zu setzen. Jedoch hätte Rauchgas durch das geöffnete Fenster einer Wohnung ziehen und deren Bewohner töten können. Ob der stark betrunkene 24-Jährige sich dies damals bewusst war, sei "nicht sicher zu beantworten", sagte der Richter.

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