Land am Rand Fluch oder Segen des Glockengeläuts

Maleck/Emmendingen / Petra Walheim 04.08.2018

Was ist schlimmer? Ein Ehepartner im Bett, der schnarcht – oder ein Kirchturm nebenan, in dem die Uhrzeit per Glockenschlag angezeigt wird? Nun? Die Entscheidung möge jeder für sich treffen. Der Unterschied zwischen beidem ist, dass die Glocken zum Schweigen gebracht werden können. Dafür entbrennen im ganzen Land immer wieder wüste Streitereien, die oft vor Gericht enden.

Das jüngste Beispiel bietet der Ort Maleck, der zu Emmendingen gehört. Dort haben die Eigentümer eines Grundstücks, das unmittelbar an den Glockenturm des Ortes grenzt, verlangt, die Lautstärke des Glockengeläuts möge soweit reduziert werden, dass auf dem benachbarten Grundstück nur noch ein sanftes Gebimmelchen zu hören ist. Dazu muss man wissen, dass die Glocken von Maleck werkstags um 11 und 19 Uhr jeweils für zweieinhalb Minuten in Aktion sind, zudem einmal im Monat sonntags  und am Weihnachts-Nachmittag, dann aber für zwölf Minuten. 

Trotzdem, so hat das Oberlandesgericht Karlsruhe gestern entschieden, trotzdem sollen die Glocken ungehindert läuten dürfen. Die uralte Tradition dürfe ohne Filter fortgesetzt werden. Der Lärm, den die Glocken verbreiten, sei unwesentlich und daher zu dulden, entschied das Gericht. Gut so! Denn es gibt auch Beispiele, Udenheim in Rheinland-Pfalz ist so eines, da gab es gegen das Schweigen der Glocken Aufstände. Sie könnten nicht schlafen, wenn die Glocken die Zeit nicht ansagten, murrten die Bürger. So wie dem Partner etwas fehlt, wenn nebenan im Bett nicht geschnarcht wird.

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