Erbach Feuer in Erbacher Flüchtlingsunterkunft gelegt

Mit 61 Helfern rückte die Erbacher Feuerwehr zur Flüchtlingsunterkunft aus, dazu waren Polizei, DRK und Notfallseelsorge im Einsatz.
Mit 61 Helfern rückte die Erbacher Feuerwehr zur Flüchtlingsunterkunft aus, dazu waren Polizei, DRK und Notfallseelsorge im Einsatz. © Foto: Ralf Zwiebler
Erbach / FRANZ GLOGGER PETRA LAIBLE 19.09.2016
In der Nacht zum Samstag ist auf eine Flüchtlingsunterkunft in Erbach ein Brandanschlag verübt worden. Fünf Bewohner kamen ins Krankenhaus.

Gleich mehrere Notrufe sind am frühen Samstagmorgen gegen 3.45 Uhr bei Polizei und Feuerwehr eingegangen: Gemeldet wurde ein Brand in der Flüchtlingsunterkunft in der Wagnerstraße/Ecke Erlenbachstraße. Das berichtete Bürgermeister Achim Gaus bei der noch am Samstagvormittag im Erbacher Rathaus angesetzten Pressekonferenz. Rauchmelder in dem Wohnhaus hatten Alarm geschlagen, Anwohner waren darauf aufmerksam geworden. Vermutlich hätten auch Bewohner angerufen, ergänzte Kreisbrandmeister Ralf Ziegler: „Wer genau alarmiert hat, können wir im Moment nicht sagen.“

Zur Zeit des Brandes war das der Stadt im Alb-Donau-Kreis gehörende Gebäude mit 26 Menschen belegt: Flüchtlingsfamilien, darunter drei Kinder, in Anschlussunterbringung sowie Obdachlose, teilte Gaus weiter mit. Als die Rettungskräfte eintrafen, hatten alle Bewohner das Gebäude bereits verlassen. Nur mit dem Notwendigsten bekleidet und teils barfuß standen sie im Freien. Sehr hilfreich habe sich da die direkte Nachbarschaft zum Gebäude des DRK erwiesen, sagte Gaus. Zahlreiche Helfer waren schon bald zur Stelle, öffneten das Gebäude und versorgten die Menschen.

Fünf junge Männer wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in umliegende Krankenhäuser gebracht, Mitarbeiter des Helferkreises begleiteten sie. Die meisten Bewohner wurden mit einem von der Feuerwehr Ulm zur Verfügung gestellten Bus ins Übergangswohnheim nach Laichingen gebracht. Einige kamen bei Freunden unter, zwei Bewohner blieben in Erbach. „Wir konnten alle versorgen“, sagte Gaus. Die große Sorge einiger Flüchtlinge war, wie sie wieder zu ihrer Arbeitsstelle kommen. Ihnen half die Feuerwehr, alles Notwendige wie Arbeitskleidung aus dem Gebäude zu holen, berichtete Thomas Böllinger, Gesamtkommandant der Erbacher Wehr.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war das Feuer im Inneren des Wohnhauses ausgebrochen: Im Kellerabgang und im Flur. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz wollte sich Gaus nicht auf Mutmaßungen über die Brandursache einlassen. Von einem Anschlag war zunächst nicht die Rede.

Wie Böllinger verwies auch Gaus auf die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen der Kriminalpolizei Ulm, die sich zu dem Zeitpunkt noch „routinemäßig“ des Falls angenommen hatten. „Routinemäßig“ seien auch das Landratsamt Alb-Donau, das Regierungspräsidium Tübingen sowie das Innenministerium in Stuttgart benachrichtigt worden, ergänzte Kreisbrandmeister Ralf Ziegler. Doch schon am Mittag stand fest, dass das Feuer in dem Wohnhaus absichtlich gelegt worden war.

 Auf Grund der Spurenlage geht die Polizei von Brandstiftung aus. Offenbar waren im Flur und am Kellerabgang Stapel aus Kleidung, Papier und Pappe angezündet worden.  Zur Klärung der Straftat wurde bei der Ulmer Kriminalpolizei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, darunter Mitarbeiter von Staatsschutz und Mordkommission.

Bürgermeister Achim Gaus wollte sich gestern nicht darauf festlegen, dass die Brandstiftung einen fremdenfeindlichen Hintergrund und somit ein politisches Motiv hat. Er vermutet, dass dahinter eher eine einzelne Aktion steckt.  Die Unterkunft in der Wagnerstraße werde vorerst nicht wieder belegt werden.  Den Sachschaden schätzte Gaus auf rund 8000 Euro.