Abgas-Skandal Land testet nachgerüstete Euro-5-Diesel

Weiter im Feldversuch: Das Innere einer umgerüsteten Mercedes-­Benz-B-Klasse.
Weiter im Feldversuch: Das Innere einer umgerüsteten Mercedes-­Benz-B-Klasse. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Roland Muschel 28.06.2018
Die Effektivität von Hardware-Nachrüstungen will der ADAC im Auftrag von Verkehrsminister Hermann nun im Alltagsbetrieb testen.

Im Februar 2018 hatte der ADAC Württemberg in einer von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) geförderten Testreihe nachgewiesen, dass Hardware-Nachrüstungen bei gebrauchten Dieselfahrzeugen den Stickstoffdioxid-Ausstoß deutlich senken. Die Wirkung für den Gesundheitsschutz ist demnach wesentlich effektiver als bei den von Teilen der Hersteller angebotenen Software-Updates. Die Automobilindustrie aber hat die Vorlage aus Stuttgart bisher nicht aufgenommen. Sie verweist unter anderem darauf, dass es keine Langzeiterkenntnisse über die Auswirkungen des Eingriffs  gebe.

An diesem Freitag wollen der ADAC und das baden-württembergische Verkehrsministerium daher nach Informationen der SÜDWEST PRESSE eine Ausweitung der Testreihe ankündigen. In einem Langstreckentest soll geprüft werden, ob sich technische Nachrüstsysteme im Alltag und im Dauerbetrieb bewähren. Kern der bis Januar 2019 konzipierten Untersuchung soll ein Langstreckentest sein, bei dem vier verschiedene, bereits im ersten Förderprojekt eingesetzte Euro-5-Dieselfahrzeuge mindestens 50.000 Kilometer zurücklegen. Dabei soll etwa die Funktionsfähigkeit der Systeme unter verschiedenen klimatischen Bedingungen wie Hitze und Frost getestet werden. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um zwei gängige Diesel-Pkw und zwei Diesel-Transporter. Am Versuch beteiligt sind die vier führenden deutschen Nachrüst-Unternehmen Baumont Twintec, HJS, Oberland Mangold und Dr. Pley.

Die grün-schwarze Koalition hat sich erst in dieser Woche darauf verständigt, Anfang 2019 in Stuttgart Fahrverbote für Dieselfahrzeuge der Euronorm 4 und schlechter zu verhängen. Ob die Verbote ab Herbst 2019 möglicherweise auch auf Euro-5-Diesel ausgeweitet werden müssen, hängt von der Entwicklung der Stickstoffdioxidwerte an den Messstellen ab. Nachgerüstete Diesel könnten nicht nur zu einer Verbesserung der Luft beitragen, sondern gegebenenfalls auch von möglichen Fahrbeschränkungen ausgenommen werden.

Umwelthilfe klagt auf umfassende Fahrverbote

Die geplanten Luftreinhaltemaßnahmen in Stuttgart werden seit Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht erörtert. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will das Land zur Durchsetzung von Diesel-Fahrverboten zwingen und hält dabei auch Fahrverbote für Diesel der Euronorm 5 für zwingend. Sie stellte Antrag auf Zwangsvollstreckung.

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