Am Tisch herrscht Stille. Nur das Knistern der Alufolie ist zu hören. Die sechs Testesser sind konzentriert „bei der Arbeit“.  Sie sollen herausfinden, ob sich das Filet des im Bodensee gefangenen, wilden Felchens von dem aus einer Zuchtanlage unterscheidet. Berücksichtigt werden sollen Geruch, Farbe, Konsistenz des Fleisches und der Geschmack. Unter den Testessern in der Fischereiforschungsstelle in Langenargen ist auch Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Das Land unterstützt den Aufbau von Zuchtanlagen für Felchen im See.

Doch das Projekt ist umstritten und nicht so einfach umzusetzen, unter anderem weil die Bodensee-Anrainerstaaten Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Schweiz und Liechtenstein mit dabei sein müssen. Die Berufsfischer sind sich nicht einig.  Außerdem ist die Fischaufzucht in Netzgehegen im Bodensee verboten - noch.

Das Thema wird immer drängender, weil die Fangerträge für die Berufsfischer stetig zurückgehen. „Der Gesamtertrag der verbliebenen 106 Berufsfischer am Bodensee-Obersee erreichte im Jahr 2015 nur noch rund 261 Tonnen. Das ist das schlechteste Ergebnis seit 1917“, heißt es in einer Information der Fischereiforschungsstelle. Seit Jahren klagen die Berufsfischer, dass ihre Fänge schlechter werden. Grund dafür ist vor allem, dass der See durch immer besser ausgestattete Kläranlagen sehr sauber geworden ist. Daher sind wenig Nährstoffe im Wasser, was sich auf das Wachstum der Fische auswirkt. Noch immer fordern manche Berufsfischer von der Landesregierung, den See zu düngen, damit die Fische schneller wachsen.

Für das Land kommt das nicht in Frage. Doch es will die Berufsfischer nicht hängen lassen, und es will auch vermeiden, dass weiter Tonnen von Fisch aus aller Herren Länder an den Bodensee gekarrt werden, um so den Bedarf zu decken. Das Ziel ist, den Bedarf aus dem See zu decken. Das geht aber nur mit Fischzuchtanlagen. Das Land sieht in solchen Aquakulturen für Felchen „die Chance, ein regionales Produkt mit einem hervorragenden ökologischen Fußabdruck zu fördern“. Die Aquakultur biete eine „gute Ergänzung zur Fischerei im Bodensee“, heißt es in einer Stellungnahme das Landwirtschaftsministeriums (MLR)

Dass es möglich ist, Felchen in solchen Anlagen großzuziehen, hat die Fischereiforschungsstelle in einem Projekt von 2011 bis 2015 erforscht. Bis jedoch die Felchen in riesigen Netzen im See erzeugt werden, wird es noch dauern. Noch sind viele Fragen offen. Das MLR versichert zwar, die Aquakulturen würden den See „nicht oder nur unwesentlich belasten“, doch es gibt Bedenken zu möglichen Erkrankungen der Fische und zu genetischen Veränderungen der Wildfisch-Bestände, falls Fische aus den Netzen entkommen.  

Der Widerstand der Berufsfischer scheint zu brökeln. „Wir dürfen nicht mehr wählerisch sein“, sagt Martin Meichle, Vorsitzender des Verbands Badischer Berufsfischer am Bodensee. Er sagt das nicht als Verbandsvorsitzender, das ist seine Privatmeinung. Im Verband sei das Thema nach wie vor umstritten, sagt er. Für ihn ist klar: „Diese Aufzuchtstationen können eine Alternative sein.“ Der Meinung sind auch die Testesser. Sie finden kaum einen Unterschied zwischen dem Felchen aus der Kultur und dem wilden Felchen.

Beispiel Finnland

Fischzucht im großen Stil Was für Baden-Württemberg Neuland ist, wird in Finnland schon lange praktiziert. Dort werden pro Jahr über 1200 Tonnen Felchen in Netzgehegen in der Ostsee und in Seen kommerziell erzeugt. In Baden-Württemberg ginge es um die Erzeugung von 500 bis 600 Tonnen Fisch pro Jahr. Das würde den Bedarf vor Ort decken. Experten aus Norwegen halten den Bodensee für die Erzeugung  von Felchen für „sehr gut geeignet“. wal