Friedrichshafen Fast 100 Leichen auf Grund des Bodensees

Friedrichshafen / RAIMUND WEIBLE 08.11.2012
Eine am Bodensee angespülte Leiche ist identifiziert worden. Viele weitere Ertrunkene bleiben vermisst - der See gibt Leichen selten wieder her.

Eine Genuntersuchung hat die Identität einer Wasserleiche, die am 28. Oktober in Rorschach angeschwemmt worden war, "zweifelsfrei geklärt" - so das Institut für Rechtsmedizin im Kanton St. Gallen. Es handelt sich bei der Leiche um einen 57-jährigen Familienvater aus Friedrichshafen. Der Mann war am 23. September vermisst gemeldet worden. Hinweise darauf, dass der Tote Opfer eines Verbrechens geworden ist, gibt es nach Angaben der Kantonspolizei nicht. Die Leiche dürfte etwa drei Wochen im Wasser gelegen haben. Ursache des Tods "war entweder ein Unglücksfall oder ein Suizid", sagte der Friedrichshafener Polizeisprecher Wolfgang Hoffmann.

Als die Leiche vor knapp zwei Wochen entdeckt worden war, gab es Vermutungen, es könnte sich um einen der beiden Fischer aus Vorarlberg handeln, die seit dem 22. Januar vermisst werden. Diese Vermutung hat sich nicht bestätigt. Die beiden Fischer waren vermutlich einem Sturm zum Opfer gefallen, der am 22. Januar über den See fegte. Retter fanden lediglich das Boot der Männer, ein Paddel und Schwimmwesten. Die Hoffnung, die Leichen der Männer jemals zu entdecken, ist jetzt noch einmal gesunken.

Der Bodensee ist bekannt dafür, dass er Wasserleichen nur selten wieder hergibt. Seit 1947 sind nach den Ermittlungsakten etwa 95 ertrunkene Menschen nicht mehr aufgetaucht. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Einer davon ist die niedrige Temperatur des Tiefenwassers. Sinkt eine Leiche unter 30 Meter, bilden sich bei vier Grad Wassertemperatur keine oder zu wenige Fäulnisgase, die den Körper normalerweise nach oben treiben. Außerdem hält der Wasserdruck den Körper in der Tiefe. Sinkt er auf den Grund, decken den Leichnam relativ schnell Sedimente aus den starken Bodenseezuflüssen Rhein, Bregenzerach oder Argen zu. Taucher vermögen in diesem Fall mit Unterwasserkameras und Echolot wenig ausrichten.

Zu den Vermissten zählen Opfer spektakulärer Unfälle. 1994 stürzte eine Cessna aus Prag mit vier Personen in den See. Es wurde Katastrophenalarm ausgelöst, weil vermutet worden war, es hätte sich radioaktives Cäsium an Bord befunden. Das stimmte nicht, wie sich nach der Bergung herausstellte. Zwei der Passagiere blieben verschwunden.