Pforzheim Fast 100 Anzeigen gegen Zahnarzt

Pforzheim / HANS GEORG FRANK 09.02.2015
Schwere Vorwürfe gegen einen Zahnarzt soll eine Ermittlungsgruppe der Polizei seit Juni 2014 klären. Es gehen jedoch immer noch Anzeigen ein.

Ein Zahnarzt aus Pforzheim steht seit rund acht Monaten unter dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung und des Abrechnungsbetrugs. Zunächst wurde von "mehreren Dutzend Geschädigten" ausgegangen. Inzwischen zog der Fall weitere Kreise. "Es gibt knapp hundert Fälle", sagte Staatsanwalt Bernhard Ebinger auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE, "die Ermittlungen laufen." Ein Ende ist offenbar nicht abzusehen, zumal erst kürzlich eine weitere Anzeige erstattet worden ist, wie Ebinger bestätigte.

Alle Vorwürfe, in denen es um angebliche "vorsätzliche Fehlbehandlung" gehe, würden von einem Gutachter überprüft. Auch von dessen Ergebnissen hänge die Dauer des Verfahrens ab, "das ist schwer einzuschätzen", sagte der Staatsanwalt. Es gebe "unterschiedliche Vorwürfe und Verdachtsmomente", sagte Ebinger, nannte jedoch keine Einzelheiten. Beim Polizeipräsidium Karlsruhe soll eine "Ermittlungsgruppe Zahn" den Fall aufklären.

"Der Zahnarzt praktiziert weiter, es gilt auch für ihn die Unschuldsvermutung", sagte David Richter, Geschäftsführer der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe. Nachdem dort "eine Beschwerdewelle" eingegangen sei, arbeite sie ebenso wie die Kassenzahnärztliche Vereinigung eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. "Da kennen wir kein Pardon", hatte der stellvertretende Vorsitzende der Landeszahnärztekammer, Bernhard Jäger, bereits im Juni 2014 erklärt, als die angeblichen Verfehlungen bekannt geworden waren. Jäger sprach auch von "krimineller Energie".

Der Verdacht der Körperverletzung habe sich ergeben wegen angeblicher Behandlungen, die "möglicherweise medizinisch nicht notwendig" gewesen seien, erklärte Richter und nannte als Beispiel die Sanierung eines gesunden Gebisses. Die "Pforzheimer Zeitung" berichtete jetzt, dass Patienten bis zu 17 Zähne gezogen worden seien, Kostenvoranschläge sollen sich auf bis zu 50 000 Euro summiert haben. Nach Richters Angaben wird auch die Vollnarkose von Kindern überprüft.

Der betroffene Zahnarzt wollte sich zu den Vorwürfen nicht selbst äußern. Er verwies an seinen Rechtsanwalt, der zwar rechtliche Aspekte ausführlich erläuterte, aber nicht auf konkrete Fragen antwortete.

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