Rottenburg Fasnets-Umzüge im Land - Flüchtlinge aus Gambia in Rottenburg dabei

MADELEINE WEGNER UND DPA 16.02.2015
Die Fasnet tobte am Wochenende vielerorts durch die Straßen. In Rottenburg mischten 40 Flüchtlinge aus Gambia munter mit: Sie hatten für ihren Auftritt eigens einen Büffel-Schädel einfliegen lassen.

Für die 40 jungen gambischen Männer und Frauen hat der Rottenburger "Ommzug" schon vor dem offiziellen Start begonnen. Auf dem Weg zum Startplatz in der Altstadt waren sie gestern schon von Weitem zu hören: Sie sangen traditionelle gambische Lieder, begleitet auf Trommeln, mit Rasseln und Holzklötzen, tanzend zogen sie durch die Gassen - ein kleines Fest, schon bevor der Umzug beginnt. Zwei Männer schwenkten die selbst genähte gambische und die deutsche Flagge über ihren Köpfen.

Der ganze Stolz der Gruppe war jedoch ein echter Büffelkopf, den sie eigens für die Fasnet aus Gambia haben einfliegen lassen. Auf die Idee war Bamba Jarju gekommen, als er zum ersten Mal von der Rottenburger Fasnet hörte - und an den Karneval in seinem Heimatland denken musste. Mit Freunden hat er rund 600 Euro Erspartes zusammengelegt, um den Büffelkopf nach Deutschland zu holen. Einen Monat haben sie zudem für die Vorbereitungen gebraucht. Aus Decken haben sie Kostüme genäht und Musikinstrumente organisiert. Einfach sei das alles nicht gewesen, sagt Saikou Suwareh, der die Aktion mit organisiert hat - aber die Gruppe habe auch viel Unterstützung von Rottenburgern bekommen.

Gestern Mittag war es endlich soweit: Die Gruppe konnte an den Start gehen - unter der ungewöhnlichen Nummer 84.1. Denn die Anmeldefrist für den Umzug war bereits abgelaufen, als die jungen Gambianer mit Hilfe des Rottenburgers Ernst Heimes im Januar bei der Narrenzunft anfragten, ob sie beim Umzug mitmachen dürften. Die Bitte wollte Zunftmeister Michael Rehbein nicht abschlagen, das sei schließlich auch "eine gute Integrationsmaßnahme".

Zwischen Rammert-Bären und Rottenburger Schelmenteufeln zog die gambische Gruppe zusammen mit den Zünften aus der Umgebung durch die närrische Innenstadt. Auf dem Marktplatz wurde die Gruppe auf Englisch und mit lautstarken "Narri-Narro"-Rufen begrüßt. Für Aufsehen sorgte jedoch nicht nur der schwarze Büffelkopf, sondern auch eine traditionelle Figur aus dem "Kankurang", einem Initiationsritus in Westafrika. Mohammed Jawara trug ein aus Decken selbst genähtes rotes Kostüm mit breiten Fransen und spitz zulaufender Mütze. "Traditionell soll die Figur heranwachsende Jungen vor Hexenzauber schützen", erklärte er.

"Das ist ein großes kulturelles Spektakel in Rottenburg. Für uns ist es eine Möglichkeit, auch ein bisschen unsere eigene Kultur beizutragen", sagte Mitorganisator Suwareh. "Und es ist eine Möglichkeit, den Rottenburgern etwas zurück zu geben", fügte er hinzu.

Die größten Umzüge des Landes fanden indes in Villingen-Schwenningen, Konstanz, Mannheim und Karlsruhe-Durlach statt. In Konstanz am Bodensee führte die Blätzlebuebe-Zunft mit bunten Flickenhäsern den traditionellen Umzug mit mehr als 80 Maskengruppen durch die Altstadt. In Mannheim beteiligten sich wie in jedem Jahr auch die Narren der Nachbarstadt Ludwigshafen. Nach Angaben der Organisatoren waren rund 100 Gruppen mit dabei. Das Wetter war den Narren wohlgesonnen: Bei oft zweistelligen Plusgraden und unter blauem Himmel konnte ausgelassen gefeiert werden, von Regen oder Schnee wurden die Narren meist verschont. In Waldkirch bei Freiburg boten Narren beim traditionellen Hexensabbat ein schauriges Spektakel: Rund 80 Hexen tanzten am Samstagabend um ein großes Feuer. Die Veranstaltung gilt als einer der jährlichen Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.