Die Bauarbeiten für Stuttgart 21 verzögern sich weiter. Ein Grund dafür sind Forderungen des Eisenbahnbundesamtes (EBA) an die Bahn hinsichtlich des Naturschutzes. So soll das Unternehmen endlich ein Konzept zum Schutz der Fledermäuse im Bahnhofsgebäude und im Mittleren Schlossgarten sowie des Juchtenkäfers vorlegen. So lange dürfen keine Bäume gefällt werden.

Neu ist das alles nicht. Dass die Bahn beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 den Artenschutz nicht gerade Priorität einräumt, kritisiert der Landesverband des BUND schon lange. Bis vor kurzem jedoch hatten weder offizielle Anschreiben noch Klagen bei entsprechenden Gerichten allzu großen Erfolg. So hatte der BUND etwa in der Nacht vor dem 30. September 2010 - dem so genannten schwarzen Donnerstag - einen sofortigen Baustopp beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingereicht: Die Fällung der Bäume im Mittleren Schlossgarten sollte verhindert werden. Doch das Gericht lehnte den Antrag ab. Wie sich herausstellte aufgrund unzureichender Informationen seitens der Bahn. Das Unternehmen hatte dem Gericht einen Bescheid des Eisenbahnbundesamtes (EBA) vorenthalten, in dem die Behörde erhebliche Bedenken gegen die Fällung der Bäume aus naturschutzrechtlichen Gründen äußerte.

Am 5. Oktober 2010 dann untersagte das EBA weitere Fällungen unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 250 000 Euro und forderte von der Bahn ein artenschutzrechtliches Konzept. Dies klagte auch der BUND beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) des Landes in Mannheim ein und bekam im Dezember Recht. Demnach muss sich auch die Bahn an naturschutzrechtliche Bestimmungen halten. Und: Sie muss den BUND als Träger öffentlicher Belange an den Planungen beteiligen.

Auch der für Anfang kommender Woche geplante Abriss des Südflügels des Bahnhofsgebäudes steht infrage. Die Bauherrin Deutsche Bahn müsse sicherstellen, dass Erschütterungen beim Abbruch des Bauwerkes nicht die Winterruhe der Fledermäuse im benachbarten Schlossgarten stören, teilte das EBA am vergangenen Mittwoch mit. Auch die Parkschützer gehen davon aus, dass der Südflügel nicht am kommenden Montag abgetragen wird, da für den Abend noch eine Anti-S-21-Demonstration vor dem Gebäudeteil genehmigt worden sei.

Mit der Auflage des EBA wird auch der Termin für die Räumung des Tipidorfes im Schlossgarten am Donnerstag kommender Woche (12. Januar) immer unwahrscheinlicher. Denn solange das EBA die Baustelle nicht freigibt, die Bahn also nicht weiterarbeiten darf, streikt auch die Polizei. Beamte sollen nicht ausrücken, bis es klare Verhältnisse gibt. Stuttgarts Polizeipräsident Thomas Züfle ärgert sich: "Wir haben monatelang geplant und können nicht in die Umsetzung gehen." Auch die Stadt Stuttgart betont: "Wir wollen keine leere Wiese schützen." Rechtlich sei eine Räumung des Zeltdorfes zwar möglich, sagte Züfle gegenüber Medien. "Allerdings muss man da abwägen zwischen rechtlich möglich und taktisch sinnvoll."

Inzwischen hat die Bahn zwar nach Angaben des Kommunikationsbüros die entsprechenden Unterlagen eingereicht und teilte zudem am Donnerstagabend mit, die Arbeiten am Grundwassermanagement bis zur abschließenden Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) auszusetzen.

Die für Januar geplanten Baumverpflanzungen oder Fällarbeiten im Mittleren Schlossgarten seien von dem Urteil hingegen nicht erfasst und könnten unverändert durchgeführt werden, sobald das EBA ein Verbot vom Oktober 2010 aufgehoben hat. Doch die Behörde macht der Bahn wenig Hoffnung auf eine schnelle Bearbeitung. Wie lange die Behörde mit der Prüfung der eingereichten Unterlagen braucht? Das wisse er nicht, sagt ein Sprecher. Die Bahn habe abzuwarten.