Mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit islamistischen Strafgefangenen muss sich nach Ansicht der Vollzugsbeamten die Justiz beschäftigen. Nach den Pariser Terroranschlägen müsse diskutiert werden, ob islamistische Gefangene separat von gewöhnlichen Kriminellen untergebracht werden, sagt Georg Konrath, Vize-Landeschef des Bundes der Strafvollzugsbediensteten. "Die Ansteckungsgefahr im Gefängnis ist groß, weil viele der Gefangenen unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden."

Das Justizministerium sieht keinen Handlungsbedarf. Man habe keine Anhaltspunkte für islamistische Tendenzen in Gefängnissen des Landes, hieß es im Ressort von Rainer Stickelberger (SPD). Die Vollzugsbediensteten seien durch Schulungen für die Problematik sensibilisiert. Bereits heute sei es möglich, aus Sicherheitsgründen Gefangenengruppen zu trennen.

Dagegen sieht die CDU im Landtag das Thema als vordringlich an. Es bestehe eine enorme Gefahr, dass Radikale andere Gefangene "ansteckten", sagte Karl Zimmermann. Der Strafvollzugsexperte der Fraktion will islamistische Gefangene ohne deutschen Pass Haftstrafen in ihrer Heimat verbüßen lassen. "Ich fordere den Bund auf, dies zu prüfen." Nikolaos Sakellariou, Justizexperte der SPD, meinte, es sei verantwortungslos, sich keine Gedanken über den Schutz gewöhnlicher Gefangener vor Radikalisierung zu machen.

Der grüne Justizexperte Jürgen Filius lehnt eine "politische Unterbringung" von Islamisten ab. Ex-Justizminister Ulrich Goll (FDP) sieht den Vorschlag ebenfalls eher skeptisch. Die Anstaltsleitungen müssten das Risiko vermeiden, dass islamistische Insassen Häftlinge für ihre Ideologie gewinnen können.

Nach Konraths Überzeugung können muslimische Gefangene leichte Beute sein für Extremisten, die ihnen vorgaukeln, als Gotteskrieger einen neuen Stellenwert erhalten zu können. "Das Problem ist noch nicht so akut", werde aber mit der wachsenden Zahl der Rückkehrer aus Syrien und dem Irak immer mehr zur Herausforderung.

Anlass der Debatte ist, dass sich Amedy Coulibaly, der Geiselnehmer aus dem Supermarkt in Paris, und Chérif Kouachi, einer der Charlie-Hebdo-Attentäter, vor Jahren im Gefängnis kennengelernt und sich dort radikalisiert haben sollen.