Karlsruhe Experten für gesonderte Entsorgung von Regenwasser

Ein Wassertank der Bodensee-Wasserversorgung. Auch der Bodensee würde davon profitieren, wenn Regenwasser und Abwasser in seinen Zuflüssen getrennt würde: Die Flüsse wären bei starken Regenfällen sauberer. Foto: dpa
Ein Wassertank der Bodensee-Wasserversorgung. Auch der Bodensee würde davon profitieren, wenn Regenwasser und Abwasser in seinen Zuflüssen getrennt würde: Die Flüsse wären bei starken Regenfällen sauberer. Foto: dpa
Karlsruhe / LSW 07.11.2012
Badevergnügen im Fluss: An der Isar ist das Realität, bei Rhein und Elbe ist vom Sprung ins Wasser eher abzuraten. Doch der Traum könnte wahr werden, wenn in Kanalisation und Klärwerke investiert wird.

Als Weg zu einer höheren Wasserqualität in Seen und Flüssen schlagen Experten vor, die Kanalisation zu modernisieren. "Der Traum vom Baden in Elbe, Rhein und Co ist absolut zu schaffen, wenn man die richtigen Maßnahmen ergreift", sagte Helmut Lehn vom Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse anlässlich eines internationalen Wassermanagementkongresses in gut zwei Wochen.

So müsse für Regenwasser nach und nach ein eigenes Netz aufgebaut werden. Dies sei umso wichtiger, als infolge des Klimawandels mit einer größeren Zahl sehr heftiger Regenfälle gerechnet werden muss, sagte der Wissenschaftler. Bei einer Mischkanalisation komme es immer wieder dazu, dass Auffangbecken überlaufen und stark verschmutztes Abwasser in die Flüsse gelangt.

Auf lange Sicht müssten Abwässer noch gezielter behandelt werden. "Ich setze mich für eine konsequente Mülltrennung beim Abwasser ein", sagte Lehn. In Neubaugebieten in China werde demonstriert, wie das funktioniert. "Dort gibt es getrennte Systeme für Wasser, das aus Bad, Dusche und Waschmaschine kommt, und dem Wasser aus Küche und Toilette. Das kann dann gesondert geklärt werden." Das Modell der getrennten Kanalisation wurde in Deutschland bereits teilweise umgesetzt. Dennoch haben immer noch knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Kommunen eine Kanalisation, in der alles zusammenfließt. Bei der Modernisierung ließen sich die Verantwortlichen oft Zeit, bedauerte Lehn. "Entscheidet sich eine Kommune für die Aufrüstung ihrer Kläranlage, profitieren davon vor allem die Regionen flussabwärts." Dadurch fehle die Motivation.

Deshalb müssten solchen Neuerungen im Verbund umgesetzt werden. Als Vorbild nannte Lehn die gemeinsame Aktion zur Säuberung der Isar.

In den vergangenen Jahren seien alle Kläranlagen an dem Fluss vom Alpenrand bis zur Donaumündung mit UV-Desinfektionsanlagen ausgerüstet worden. "Bis auf Phasen mit starken Regenfällen ist die Bakterienbelastung der Isar jetzt selbst in der Münchner Innenstadt so gering, dass der Fluss Badewasserqualität erreicht." Das kann nach Ansicht von Lehn auch bei allen anderen Flüssen umgesetzt werden.

Beim Kongress zu globalen Aspekten der Wasserwirtschaft am 21. und 22. November werden Fachleute aus aller Welt erwartet.