Zulagen-Affäre Ex-Rektorin wehrt sich gegen Rauswurf

Ex-Rektorin Claudia Stöckle mit  ihrem Anwalt Arno Stengel.
Ex-Rektorin Claudia Stöckle mit ihrem Anwalt Arno Stengel. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart.  / Jens Schmitz 18.05.2018

Die zehnte Kammer des Verwaltungsgerichts Stuttgart verhandelte gestern über eine Klage der Ludwigsburger Ex-Rektorin Claudia Stöckle gegen das Wissenschaftsministerium. Sie wendet sich gegen ihren Rauswurf 2015 nach jahrelangen Konflikten. Die verdankten sich aus Sicht der Klägerin nicht eigenen Fehlern, sondern ihrem Willen, Missstände abzustellen, sowie Intrigen bisheriger Nutznießer. Eine Entscheidung der Kammer könnte es heute geben.

Einer der härtesten damaligen Gegner der Ex-Rektorin soll derweil aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden. Das geht aus einer zweiten Klage hervor, mit der sich der Professor wehrt. Ihm wird Prüfungsbetrug  vorgeworfen. Laut „Stuttgarter Zeitung“ soll mit einer Studentin Prüfungsaufgaben und -lösungen abfotografiert haben. Auch das Sonderpapier für die Prüfung soll die Studentin vorab erhalten haben. Später fielen ihre Antworten auf. Die Staatsanwaltschaft hat im September 2017 ein Verfahren gegen den Professor eingeleitet; inzwischen soll er gestanden haben.

Der Jurist gilt als eine treibende Kraft hinter Stöckles Rauswurf. Nach ihrem Amtsantritt 2012 trug er unfreiwillig dazu bei, sie auf mutmaßlich rechtswidrige Zulagen aufmerksam zu machen: Er soll die gleichen Boni wie seine Kollegen gefordert haben. Damit begann Stöckles Aufarbeitung der „Zulagenaffäre Ludwigsburg“, deretwegen heute mehrere Akademiker angeklagt sind.

Der Professor gehörte später zu den Unterzeichnern einer Resolution gegen die Rektorin und klagte zweimal erfolglos gegen sie. Als ein Abwahlverfahren scheiterte, soll er die Stimmung unter Gleichgesinnten mit einem Zitat wiedergegeben haben: „Die Schlacht ist verloren, aber der Krieg noch nicht.“

Schlechter Führungsstil?

 Am 26. Februar 2015 informierte das Ministerium Stöckle über die vorzeitige Beendigung ihrer Amtszeit und verwies auf die „tiefgreifende, irreparable Zerrüttung“ zwischen der Rektorin und ihren Gegnern.

Stöckles Kritiker werfen ihr vor, das Klima an der Hochschule durch schlechten Führungsstil verdorben zu haben. Ihr Anwalt beharrte in der Verhandlung darauf, dass dafür bis heute kein konkretes Beispiel genannt worden sei.

Ausschuss durchleuchtet die Affäre

Die Beamtenhochschule in Ludwigsburg ist seit Jahren wegen umstrittener Professoren-Zulagen in den Schlagzeilen. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags versucht, Licht in die Vorgänge um die Gewährung von Extra-Zahlungen an der Hochschule zu bringen. Dabei interessiert auch  das Krisenmanagement der Ministerin Theresia Bauer (Grüne) dpa