Wald Eschen sterben, Buchen leiden: Jeder dritte Waldbaum krank

Dem Wald im Südwesten geht es schlecht.
Dem Wald im Südwesten geht es schlecht. © Foto: DPA
lsw 14.12.2016

Dem Wald im deutschen Südwesten geht es immer noch nicht besser. Mehr als jeder dritte Baum hat nach wie vor deutliche Schäden, wie aus dem Waldzustandsbericht 2016 hervorgeht. Ebenfalls nur jeder dritte Waldbaum ist demnach ganz ohne Schäden. Der Zustand des Waldes bleibt damit schlechter als in den 1990er Jahren, als der Begriff „Waldsterben“ Konjunktur hatte. Unter dem Strich hat sich der Zustand des Waldes nach Angaben von Forstminister Peter Hauk (CDU) im Vergleich zu 2015 kaum geändert.

„Unser Wald bleibt Dauerpatient, die Bäume stehen unter Dauerstress“, warnte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Nabu, Johannes Enssle. Ihm zufolge sind vor allem hohe Stickstoffbelastungen aus Landwirtschaft und Verkehr ein Problem. „Zu viel Stickstoff ist für den Wald wie für uns zu viel Zucker. Es fördert ein ungesundes Wachstum und macht krank.“ Enssle forderte die Politik auf, entschiedener gegen die hohe Stickstoffemissionen vorzugehen.

SORGENKIND bliebt die Esche, deren Situation inzwischen als dramatisch beschrieben wird. 95 Prozent der Eschen sind von einem Pilz befallen - „und werden Zug um Zug absterben“, heißt es. Eine Bekämpfung sei nicht möglich. Baden-Württemberg ist das Bundesland mit dem höchsten Eschenvorkommen, vor allem in der Oberrheinebene und auf der Schwäbischen Alb. Absterbende Eschen werden gefällt, weil fallende Äste oder ganz umstürzende Bäume eine Gefahr für Waldbesucher sind. Etwa fünf Prozent der Waldbäume im Land sind Eschen. Noch. Als Alternativen gelten Eichen, Bergahorn und Erlen.

PROBLEMFALL ist die Buche. Beim nach der Fichte zweithäufigsten Waldbaum ist seit einigen Jahren ein Hang zu sehr starker Fruchtausbildung zu beobachten. „In immer kürzeren Abständen bildet die Buche immer mehr Bucheckern aus, was zu einer Schwächung der Bäume führt“, sagte Hauk. Die Folge: Die Blätter werden kleiner, der Holzzuwachs geht zurück. Experten werten diese Entwicklung als Folge des Klimawandels mit höheren Temperaturen, Witterungsextremen, länger anhaltenden Trockenperioden und milderen Wintern ohne längeren Frost.

STARKE DOUGLASIE: „Der Klimawandel ist in den Wäldern angekommen“, sagte Hauk. Das Land setze daher auf klimastabile Mischwälder. Wo es passe, würden wärmeliebende und trockenheitstolerante Baumarten wie Douglasien und Eichen gezielt gefördert. Die Fichte als Hauptbaumart im Südwesten erweist sich als recht widerstandsfähig. Ihr Zustand hat sich kaum geändert, ähnlich wie bei der Tanne. Verbesserungen des Kronenzustands mit einem verringerten Nadelverlust registrierten die Experten bei der Kiefer. Leichte Verbesserungen mit einem Rückgang des Blattverlusts beobachteten sie bei der Eiche.

BORKENKÄFER: Im vorausgegangenen Waldbericht fürchtete das Land noch eine außergewöhnliche Vermehrung von Borkenkäfern. Diese sei aber nicht eingetreten, hieß es. Intensiver Kontrolle und zügiger Abfuhr befallenen Holzes sei Dank. Zwar habe sich der Anfall von Käferholz im Vergleich zum Vorjahr um etwas mehr als 40 Prozent erhöht, allerdings liege er mit rund 210 000 Festmetern „auf einem erträglichen Niveau“, sagte Hauk. Im Staatswald habe man auf den Einsatz von Pestiziden zur Bekämpfung der Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher verzichten können.