Naturschutz Wildbienen: Es summt und brummt in den Obstplantagen

Gehörnte Mauerbiene sucht Nistplatz: Viele Wildbienen suchen vergebens.
Gehörnte Mauerbiene sucht Nistplatz: Viele Wildbienen suchen vergebens. © Foto: Jörg Carstensen/dpa
Friedrichshafen / Petra Walheim 04.05.2018
In einem mehrjährigen Gemeinschaftsprojekt ist es Obstbauern am Bodensee gelungen, die Vielfalt an Wildbienen zu erhöhen.

Die Klagen über den Rückgang der Vielfalt und Zahl der Insekten sind seit Jahren zu hören. Deshalb sind die Obstbauern am Bodensee aktiv geworden. In einem Gemeinschaftsprojekt, das von mehreren Partnern 2010 gestartet wurde, haben sie für Wildbienen, andere Insekten und Vögel Nisthilfen gebaut, blühende Flächen angelegt und Gehölze angepflanzt. Mit Erfolg. Am Donnerstag wurde öffentlich gemacht, was ihr Einsatz gebracht hat. Ein Beispiel: Die Nisthilfen für Wildbienen haben dazu geführt, dass sich die Artenvielfalt an manchen Orten verdoppelt hat.

Die Wildbienen spielen neben den Honigbienen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung der Obstbäume und Nutzpflanzen. Ihre Zahl sinkt und mit ihr die Artenvielfalt, weil den Wildbienen und vielen anderen Insekten schlicht die Nahrung fehlt. Um zu überleben, brauchen sie blühende Pflanzen. Sie ernähren sich von Pollen und Nektar. In den vergangenen Jahren sind jedoch viele Landwirte dazu übergegangen, ihre Wiesen zu mähen, noch bevor darauf auch nur eine Pflanze blühen konnte.  „Die Zahl der Insekten ist in den vergangenen 25 Jahren um 75 Prozent gesunken“, sagt Sabine Holmgeirrson. Sie ist beim Naturschutzbund (Nabu) Fachbeauftragte für Wildbienen und Pflanzenschutz.

Pflanzen Zeit zum Blühen geben

Dabei ist dieser Negativ-Trend leicht umkehrbar, zum Beispiel indem Pflanzen die Zeit zum Blühen und Aussamen gegeben wird.  Unter anderem das hat den Obstbauern am Bodensee den Erfolg gebracht. Seit Beginn des Gemeinschaftsprojekts der REWE Group, der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mbH, der Bodensee-Stiftung und Imkern im Jahr 2010 haben sich 100 Betriebe zusammengefunden, die bis dato 246 Hektar Blühflächen angelegt, mehr als 8800 Sträucher, Hecken und Bäume gepflanzt sowie 550 Insekten-Nisthilfen, 1740 Vogelkästen und 120 Fledermaus-Kästen errichtet haben. „Auf den Aussaaten wurden oft hohe Individuen-Zahlen und mit bis zu 34 Wildbienen-Arten mancherorts auch eine große Vielfalt festgestellt“, sagte Tierökologe Mike Herrmann, der das Wildbienen-Monitoring betreut.

Bei der aktuellen Erfassung der Zahlen zeigte sich, dass sich auf den Blühflächen und in den Nisthilfen 117 Wildbienen-Arten angesiedelt haben. Darunter sind  25 Arten, die landesweit als bedroht oder nicht ungefährdet eingestuft sind. Die Arten tragen so anschauliche Namen wie Bärtige Sandbiene, Große Harzbiene, Wald-Pelzbiene oder Rötliche Kegelbiene. Auch die Schwarzblaue Sandbiene konnte nachgewiesen werden. Sie ist landesweit als stark gefährdet eingestuft.

Nach Auskunft der Nabu-Expertin Sabine Holmgeirrson sind im bundesweiten Wildbienen-Kataster 585 Arten verzeichnet, davon sind in Baden-Württemberg 400 heimisch.  Für die Bestäubung der Blüten an Obstbäumen und anderen Pflanzen seien Wildbienen unverzichtbar, sagt sie. „Wir können die Wildbienen nicht durch Honigbienen ersetzen.“ Viele der Wildbienen, Hummeln und Wespen seien auf bestimmte Blüten spezialisiert, die Honigbienen nicht bestäuben könnten. „80 Prozent der Nutzpflanzen werden von Honig- und Wildbienen bestäubt.“

Beide Arten leiden auch unter  Umweltgiften, Spritzmitteln und Flächenversiegelung. Imker könnten Honigbienen immer wieder nachzüchten, betont Klaus Schmieder, Präsident des badischen Imkerverbands. Das sei bei der Wildbiene nicht möglich. Ihr müsse anders geholfen werden.

Mehr Imker und Bienenvölker

Seit dem großen Bienensterben in der Rheinebene 2008  ist nach Auskunft des badischen Imkerverbands die Zahl der Imker und Bienenvölker gestiegen. 2008 seien in Baden 7200 Imker und 69 500 Völker verzeichnet gewesen. Ende 2017 seien es 9700 Imker mit 74 000 Völkern gewesen.

Um Wildbienen zu helfen, sind laut Nabu-Expertin Sabine Holmgeirrson nicht so sehr Bienen-Hotels vonnöten. Besser seien „wilde Ecken“ im Garten mit Sand, Lehm und blühenden Pflanzen. Der Nabu bietet eine Wildbienen-Patenschaft an. Mehr dazu unter www.nabu.de. wal