Mannheim Erster Nachtbürgermeister Deutschlands

Hendrik Meier lächelt in die Kamera: Vom  1. August an soll er in Mannheim Konflikte im Nachtleben  entschärfen.
Hendrik Meier lächelt in die Kamera: Vom 1. August an soll er in Mannheim Konflikte im Nachtleben entschärfen. © Foto: Benedikt Spether/dpa
Mannheim / Wolfgang Risch 21.07.2018

Die Konflikte zwischen Nachtschwärmern und Anwohnern sind vielfältig in Mannheim, besonders im Ausgehviertel Jungbusch. Die Kulturelle Stadtentwicklung Mannheim hatte deshalb die Initiative gestartet, als erste deutsche Stadt die Stelle eines Nachtbürgermeisters, der die englische Bezeichnung Night Mayor trägt, auszuschreiben.

Aus unter ursprünglich mehr als 40 Bewerbern waren zehn im Alter von 24 bis 53 Jahren in die engere Auswahl gekommen, darunter zwei Frauen. Das Publikum und eine Jury wählten am Donnerstagabend in einer Bar in der Innenstadt den 27-jährigen Studenten Hendrik Meier, der im August sein Masterstudium an der Popakademie Baden-Württemberg im Fachbereich Music & Creative Industries abschließt. Auch die Popakademie ist im Jungbusch, der Nürnberger Meier kennt also die Problematik des Nachtlebens, zumal er dort auch wohnt.

Laut und eng

Bei der Wahl zeigte sich ein Querschnitt der Mannheimer Nachtschwärmer in der Bar. Es war laut und eng, aber noch vergleichsweise früh am Abend. Der Lärm ist freilich noch steigerungsfähig, später in der Nacht und bis zum frühen Morgen. Und nicht wenige Bewohner der Innenstadt beseitigen die Spuren des Nachtlebens mit Seifenwasser aus Eimern.

Die Kulturelle Stadtentwicklung Mannheim hatte die Idee des Night Mayor mit dem Clubverband „Eventkultur Rhein-Neckar“ entwickelt. Die vergleichsweise kleine Stadt am Rhein reiht sich nun ein unter Metropolen wie Amsterdam, London, New York oder Zürich. Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) selbstbewusst: „Dass Mannheim Pionier ist mit dem ersten Night Mayor in Deutschland, ist auch als Unesco City of Music naheliegend.“

Hendrik Meier beginnt am 1. August mit seiner Arbeit. Er wolle, sagte er nach seiner Wahl, „möglichst bald“ mit den am Nachtleben Beteiligten ins Gespräch kommen. „Ich möchte alles daran setzen, die Nachtkultur in Mannheim nachhaltig weiterzuentwickeln.“ Wichtig sei ihm, der Vermittler und „direkte Draht“ zwischen der Ausgehszene und den Bürgern zu sein. „Ausgehen, feiern, Freizeit, Wohnen“ nennt OB Kurz als Bereiche, die möglichst ohne Konflikte nebeneinander bestehen sollten. Sind solche nicht auszuschließen, soll der Night Mayor Lösungen finden und sie auflösen.

Das Verfahren der Wahl des Night Mayor habe hohe Ansprüche gestellt, sagt Oberbürgermeister Peter Kurz, „40 ambitionierte Bewerber waren schon ein Beitrag zum Thema Standort­entwicklung“. Kulturelle Angebote, das Nachtleben eingeschlossen, sind nach Ansicht der IHK Rhein-Neckar ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität einer Stadt.

Seit zwei Jahren in der Stadt

An der Schnittstelle zwischen den Kneipen und Bars, ihren Gästen, der Bevölkerung und der Stadtverwaltung könnte auch ein regelmäßiger Stammtisch für Ausgleich sorgen. Matthias Rauch, der Leiter der Kulturellen Stadtentwicklung Mannheim, spricht von einer „positiven Rück­meldung von allen Beteiligten“. Oberbürgermeister Kurz begrüßt, dass mit Meier, der erst zwei Jahre in Mannheim lebt, ein Night Mayor gewählt worden ist, „der einen Blick von außen hat“. Gleichwohl kennt er sich aus: Der 27-Jährige schrieb seine Masterarbeit über die Veranstaltungswirtschaft der Metropolregion Rhein-Neckar.

 Die Amtszeit Meiers endet Ende 2019, dann, sagt der Oberbürgermeister, „wird geschaut, was daraus geworden ist“.

Vorreiter Amsterdam

Städte in aller Welt haben bereits Erfahrungen mit dem „Night
Mayor“ gesammelt, darunter New York und Zürich. In Amsterdam trat der erste ernstzunehmende „Night Mayor“, Mirik Milan, weltweit 2012 diesen Posten an. Im Vergnügungsviertel Rembrandt versuchte er bis Mitte dieses Jahres, den Ausgleich zwischen den Interessen der Club- und Barbetreiber einerseits und der Anwohner andererseits. Den Stab hat er an eine nicht-staatliche Organisation übergeben.

Die Probleme beginnen Milans Erfahrung nicht in den Clubs, sondern erst, wenn die
Gäste sie verlassen. Deshalb hat Milan längere Öffnungszeiten durchgesetzt. „Dadurch entzerren sich die Besucherströme.“ Dadurch sei die Zahl der Beschwerden wegen Lärms um 30 Prozent gesunken. dpa

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