Die Wölfe heulen wieder immer häufiger in Europa. Canis lupus kehrt zurück - auch nach Bad Buchau. Gewiss, ein lebendes Exemplar ist hier im Oberschwäbischen noch nicht gesichtet worden. Doch widmet das Federseemuseum dem Raubtier nun eine eigene Ausstellung. Diese zeigt, wie vor Jahrtausenden der scheue Wolf zum Hund und damit zum treuen Begleiter des Menschen wurde. Die Fährte führt zurück bis in die Eiszeit. Damit ist der Hund - soweit bislang bekannt - das älteste Haustier.

Dabei war das Wildtier Wolf zunächst gar nicht so vielversprechend: Er bellte nicht, konnte keine Schafe hüten und nicht bei der Jagd helfen. Das Dosenfutter war bekanntlich noch nicht erfunden, das Tier musste also von dem, was die Menschen mühsam erbeuteten, zusätzlich versorgt werden. Zwar konnte der Wolf dem Eiszeitmenschen als Wärmekissen dienen - bei den Temperaturen, die dem Zeitalter seinen Namen gaben, war das sicher ein Vorzug. Vermutlich spielten jedoch auch "psychologische Faktoren" eine große Rolle, sagt Museumsleiter Ralf Baumeister.

Sind sie nicht auch putzig! Beim Anblick der flauschigen Welpen wird auch in der Eiszeit schon manches Herz warm geworden sein. Frauen sollen sich die Wolfskinder sogar zur Brust genommen haben und durch das Stillen möglicherweise versucht haben, die Tiere an sich zu binden. Später zogen die zahmen Tiere Schlitten und führten den Menschen sicher über verschneiten Pfade.

Der Wolf war einst - neben dem Menschen - das am weitesten verbreitete Säugetier auf der Welt. Er war überall auf der Nordhalbkugel zu finden. Heute besiedelt er nur nicht ein Drittel des ursprünglichen Gebiets. Wolf und Mensch hatten seit Jahrtausenden Kontakt. In der Eiszeit waren die Tiere vor allem in einer Form besonders beliebt: als kalorienreiche Mahlzeit. Knochenfunde der Zeit belegen, dass Menschen ihr Fleisch gegessen haben - auch auf der Alb beispielsweise.

Schmuck aus Zähnen und Schwanzwirbeln von Wölfen aus der mittleren Altsteinzeit, auch sie sind in der Sonderschau des Federseemuseums zu sehen. In dieser Zeit lebten die Wölfe als Zeitgenossen des Neandertalers etwa im Lonetal. Die Menschen zeigten schon früh gerne Zähne: Als Schmuck waren sie am Ende der Jungsteinzeit "en vogue", so Museumsleiter Baumeister. Der Modegeschmack schien jedoch breit gefächert: An einer 5000 Jahre alten Halskette im Museum sind Zähne von Wildkatze, Dachs, Fuchs und Hund.

Die Überreste der Tiere verraten viel über das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf. Ein eingeschlagener Schädel etwa zeigt, dass unsere Vorfahren den Vierbeiner gejagt, getötet und dann wohl " kulinarisch verwertet" haben, sagt Baumeister. Die Knochen zeigen aber auch die Entwicklung: Bei einem anderen Schädel ist zu sehen, dass die Reißzähne herausgebrochen sind - vielleicht, damit der Wolf das zu hütende Vieh nicht reißen konnte.

Mit der "Zähmung des Wolfes", so auch der Titel der Ausstellung in Bad Buchau, veränderte sich das Aussehen des Tieres. Die gefundenen Schädel sind im Vergleich zum wilden Wolf verkürzt, der Gaumen breiter, die Stellung des Gebisses hat sich verändert.

Hunde-Funde nehmen seit der Mittelsteinzeit zu. Zu jener Zeit hat sich mit den steigenden Temperaturen auch die Natur verändert, alles wucherte, Urwälder entstanden. Damit veränderten sich auch die Jagdgewohnheiten der Menschen. Bei der Jagd mit Pfeil und Bogen war der Hund ein wichtiger Helfer.

"Hunde waren Teil jeder Siedlungsgemeinschaft", sagt Baumeister. Sie dienten wohl als Wachhunde und hüteten das Vieh. Auch in die Bewohner der Pfahlbauten am Federsee hatten Hunde: Die Sonderschau, kuratiert von Archäologin Andrea Skamletz, zeigt das Skelett eines Hundes, der in der Siedlung zwischen Häusern begraben wurde. Solche in Siedlungen gefundenen Tiere waren meist jung, die Knochen weisen keine Verletzungen auf. "Die Vermutung liegt nahe, dass sie liebgewonnen und verhätschelt wurden", so Baumeister.

Am Federsee, wie auch in anderen Moorsiedlungen, gab es übrigens eine spezielle Hunderasse, den Torfspitz. Er ähnelten einem heutigen Wolfsspitz oder Cocker Spaniel. Diese zwei waren bei der gestrigen Eröffnung übrigens ebenso gern gesehene vierbeinige Besucher wie auch Dackel, Pudel, Schäferhunde und Co. Die tierischen Begleiter erwartet in dem Museum ein sogar eine kleine Überraschung.

"Zähmung des Wolfes"

Sonderschau Die Ausstellung "Zähmung des Wolfes" ist im Federseemuseum bis zum 4. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Neben einem Beiheft sind das Jahr über Vorträge, Sonderführungen und Aktionen mit Hunden geboten. Unter www.federseemuseum.de sind weitere Infos zu der Ausstellung zu finden.