Stuttgart Kommentar zu erschossenem Wolf: Der Feind im Revier

Südwest-Umschau-Redakteur Roland Müller.
Südwest-Umschau-Redakteur Roland Müller. © Foto: Volkmar Könneke
Stuttgart / Roland Müller 08.08.2017
Dass der Wolf in Baden-Württemberg erschossen wurde, zeigt: Es gibt noch immer irrationale Vorbehalte. Eine harte Strafe könnte den Lernprozess beschleunigen. Ein Kommentar.

Als der tote Wolf vor einem Monat mit ominösen „Brustverletzungen“ aus dem Schluchsee gezogen wurde, lag der Verdacht bereits nahe. Nun ist es Gewissheit: Das Raubtier wurde erschossen – und offenbar im See versenkt, um den illegalen Abschuss zu vertuschen. Welch ein Armutszeugnis.

Allen Beteuerungen der Politik zum Trotz: Es gibt in Teilen der Bevölkerung noch immer Vorbehalte gegen Wildtiere wie Wolf, Bär oder Luchs. Sei es aus der irrationalen Angst, beim Waldspaziergang nicht mehr ganz an der Spitze der Nahrungskette zu stehen. Sei es, dass mancher Jäger die Tiere als unliebsame Konkurrenz im Revier betrachtet. Insgesamt 24 illegal getötete Wölfe in Deutschland sprechen für sich.

In Baden-Württemberg hat die Politik viel versucht, um im „Wolfserwartungsland“ für positive Stimmung zu sorgen. Es hat wohl nicht gereicht: Nun, da die Tiere da sind, überlebt keines lange im Südwesten. Zwei starben auf der Autobahn, der Einwanderer aus Niedersachsen fiel einer Kugel zum Opfer. Die Erfahrungen anderer Bundesländer zeigen, dass es oft einen längeren Lernprozess braucht, bis es einigermaßen funktioniert zwischen Mensch und Wolf. Den Täter zu finden und hart zu bestrafen, könnte als deutliches Signal dabei helfen.

Aus Bayern kam indes kürzlich eine gute Nachricht: Erstmals seit 150 Jahren bekam ein Wolfspärchen im Bayerischen Wald Nachwuchs. Es geht doch.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel