Isny Entscheid über Zumthor-Tor

Modell des Stadttors. Manche erinnert der Entwurf an einen Backenzahn. Ein "Modellproblem", verursacht durch die Verkleinerung, sagte Architekt Peter Zumthor dazu: "Wenn ich weiter arbeite, verschwindet der Zahn." Fotos: Stadt Isny
Modell des Stadttors. Manche erinnert der Entwurf an einen Backenzahn. Ein "Modellproblem", verursacht durch die Verkleinerung, sagte Architekt Peter Zumthor dazu: "Wenn ich weiter arbeite, verschwindet der Zahn." Fotos: Stadt Isny
Isny / RUDI SCHÖNFELD 02.02.2012
10 276 Isnyer können am kommenden Sonntag über ein neues Stadttor nach den Plänen des renommierten Architekten Peter Zumthor abstimmen. Das Bauwerk soll 20 Millionen Euro kosten - privat finanziert.

Seit Wochen tobt in den Leserbriefspalten der Lokalpresse, im Internet, in Sälen sowie auf Straßen und Plätzen der Streit um das Für und Wider eines neuen Stadttors in Isny. Der Entwurf des Schweizers Peter Zumthor ist spektakulär: Ein Turm von 35 Meter Höhe, gemauert aus Glasziegeln und gekrönt von einer Kugel aus Holz. Während die einen das neue Stadttor für einen architektonischen Glücksfall halten und in seiner Verwirklichung eine riesige Chance für die Allgäustadt mit 14 500 Einwohnern sehen, fürchten die anderen hohe Folgekosten und können sich nicht mit der Gestalt des Tors im historischen Ensemble der ehemals Freien Reichsstadt anfreunden. Am kommenden Sonntag sind die Bürger gefragt. "Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Isny in das Zukunftsprojekt Neues Stadttor Isny weiter einbringt?" lautet die Frage beim Bürgerentscheid.

Neulich war Zumthor, mit dem Pritzker-Preis geadelter Architekt, selbst in der Stadt und hat sich der kontroversen Diskussion um den gläsernen Turm gestellt, der dereinst auf drei Beinen ruhen und vasenförmig in den Himmel ragen soll, gefügt aus 25 000 Glasziegeln. Obwohl weltweit kein Objekt dieser Größenordnung existiert, das völlig aus Glasbausteinen gefertigt ist, haben Experten inzwischen die Machbarkeit des Bauwerks bestätigt. Und inzwischen existiert an der Stelle, wo einmal das 1830 geschleifte Obertor an der Stadtmauer in Richtung Lindau stand, auch schon ein "Fußabdruck" des neuen Tors: in den Asphalt eingelassene Pflastersteine markieren den Grundriss der drei Beine des Turms, daneben weist eine Stele auf das Projekt hin. Derweil wirbt die Stadt mit dem Hinweis, dass mit dem neuen Tor die Stadtgeschichte fortgeschrieben werde und es sich zusammen mit den vorhandenen Türmen zu einem neuen Wahrzeichen im 21. Jahrhundert entwickeln könne. Alle Türme gemeinsam stünden sowohl für die Tradition wie auch für die Moderne der Stadt.

Dennoch sind vor allem zwei Fragen offen, mit deren Beantwortung sich auch Bürgermeister Rainer Magenreuter schwer tut: Wo sind die Sponsoren und wie soll das Gebäude einmal genutzt werden? Magenreuter räumt ein, dass eventuelle Geldgeber "nicht Schlange stehen", jedoch habe man schon viele gute Gespräche geführt. Gerüchteweise heißt es in der Stadt, ein potenter Investor halte sich gegenwärtig noch im Hintergrund und wolle sich erst zu erkennen geben, wenn der Bürgerentscheid positiv ausgehe. Und zur Nutzung des Turms ist nicht mehr zu erfahren, als dass darin ein Café und ein etwa 120 Personen fassender Raum für kulturelle Veranstaltungen untergebracht werden soll. Das, bemängeln Kritiker, sei ein bisschen wenig für ein Bauwerk, das einschließlich Planungskosten auf rund 20 Millionen Euro veranschlagt ist.

Möglicherweise aber sorgt die Zeit sowohl für das nötige Geld wie auch für die zündende Idee für eine sinnvolle Verwendung des Prestigebaus. Seit der Präsentation des Entwurfs sind bereits zwei Jahre ins Land gezogen. Nach einem positiven Ausgang des Bürgerentscheids würde sich eine Entwicklungsgesellschaft um die Werbung von Sponsoren kümmern. Erst dann sollen die Planungen vorangetrieben werden. Nach Expertenschätzungen dürften noch mindestens fünf Jahre ins Land ziehen, ehe sich die Stadt Isny mit dem neuen architektonischen Glanzlicht schmücken könnte. Eines jedoch hat Architekt Zumthor bereits vor dem Bürgerentscheid klar gemacht: Sollte es am Sonntag keine Mehrheit für das neue Stadttor geben, dann ist für ihn das Projekt gestorben. Damit beendete er Spekulationen, das Tor könnte auch von privaten Investoren ohne Beteiligung der Stadt errichtet werden. "Es ist wichtig, dass das Projekt einen guten Rückhalt in der Bevölkerung hat", betont er.

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