Ulm ENBW-Mehrheit soll im Land bleiben

Ulm / HELGA MÄCKLE 12.09.2012
Die OEW wollen sicherstellen, dass die ENBW in baden-württembergischer Hand bleibt. Dafür räumt das Land den OEW eine Kauf-Option ein.

"Die Vereinbarung gibt uns Sicherheit, weil wir dann die Mehrheit bei der ENBW hätten", sagt Heinz Seiffert, Vorsitzender des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) und Landrat des Alb-Donau-Kreises, über den Vertrag, den die OEW am Montag mit dem Land abgeschlossen haben (wir berichteten). Dieser sichert der OEW eine Kaufoption für zwei Aktienpakete des Landes zu, die insgesamt rund sechs Prozent der ENBW-Aktien ausmachen.

Mit diesem Schachzug wollen die OEW, in dem neun oberschwäbische Landkreise zusammengeschlossen sind und die - wie das Land - insgesamt 46,55 Prozent der ENBW-Aktien halten, verhindern, dass ein ausländischer Investor eine Aktienmehrheit beim drittgrößten deutschen Energiekonzern erlangen könnte. Hintergrund ist die Klage der rot-grünen Landesregierung gegen den französischen Staatskonzern EdF, von dem das Land im Jahr 2010 45,01 Prozent der ENBW-Aktien gekauft hatte. Mit 41,50 Euro pro Aktie zu teuer, findet die heutige Landesregierung und fordert in einem Schiedsverfahren 840 Millionen zurück. Sollte die EdF nichts zahlen, will sie den Deal gar rückabwickeln.

Diese Möglichkeit trieb den Verantwortlichen bei den OEW den Schweiß auf die Stirn: Denn dann wäre völlig unklar, wer sich diese Aktien unter den Nagel reißen wird - und mit wem die OEW zusammenarbeiten müssten. "Ich erwarte nicht, dass die Rückabwicklung eintritt, aber für den Fall der Fälle wollten wir gewappnet sein", sagt Seiffert. Daher habe er die Kauf-Option ausgehandelt. Tritt der Fall ein, kann die OEW die sechs Prozent der Aktien vom Land kaufen und hielte damit gut 53 Prozent am Unternehmen. "Damit könnte ich gut leben" sagt Seiffert. Zumal auch die Landesregierung der Meinung sei, dass die ENBW "ein baden-württembergisches Unternehmen" bleiben soll.

Die besagten sechs Prozent hat das Land zum einen im Zuge der öffentlichen Übernahme von Kleinanlegern aufgekauft - Wert: 159 Millionen Euro. Zum anderen stammen sie aus der Kapitalerhöhung des Landes für die ENBW in Höhe von 400 Millionen Euro. Rund 560 Millionen müsste die OEW also aufbringen, falls die Option zum Tragen kommt. "Und das machen wir dann auch", stellt Seiffert klar.