Die Geschichte der Hymnen im Südwesten ist nicht einfach. Man könnte auch sagen, Baden-Württemberg ist hymnentechnisch noch immer gespalten. Es gibt da das Württemberger Lied („ Preisend mit viel schönen Reden “), das Badenerlied („ Das schönste Land in Deutschlands Gau‘n, Das ist mein Badner Land “) und das Hohenzollernlied („ Nicht weit von Württemberg und Baden “). Aber ein wirklich populäres Lied der Baden-Württemberger gibt es nicht.

1986 sollte sich das ändern: Der damalige Süddeutsche Rundfunk rief, angeregt und unterstützt von der Landespolitik, zum Komponier- und Dichtwettbewerb auf. 450 Teilnehmer reichten Vorschläge ein, um das Land endlich gesanglich zu vereinen. Dass das nicht funktioniert hat, ist offensichtlich: Die Sieger-Hymne ist unbekannt geblieben. Woran das liegen mag? Vielleicht wollen die Schwaben, Badener und Franken kein gemeinsames Lied?

 

 

Vielleicht ist das „richtige“ Lied aber nur nicht bekannt genug? Hans-Peter Feil, der in  Ellwangen rund ein Dutzend Fasnachtsschlager komponierte, glaubt bis heute an sein „Lied der Baden-Württemberger“ und die Textdichtung Heribert Bendeichs.

„ Land der Wälder, der Hügel und des Weines, Land der Donau, des Neckars und des Rheines...“

Wochenlang hatten die beiden damals für den Wettbewerb an der Hymne gearbeitet – und waren überglücklich, als ihr Beitrag die ersten Auswahlrunden überstanden hatte und das Fernsehen kam, um eine Aufzeichnung zu machen.

Bei einem Nachbarn, der  einen schönen Flügel besaß, spielte Feil die Melodie vor der Kamera, vier Sängerkameraden sangen dazu. Die Aufnahme wurde im Abendprogramm vor der Landesschau ausgestrahlt. Schließlich kam die Finalrunde: In Baden-Baden wurden die acht besten Kompositionen von ein und demselben Ensemble vorgetragen und live ins ganze Land ausgestrahlt. Doch die Veranstaltung war in den Augen vieler Kulturschaffender ein Desaster. Samt und sonders „volkstümlicher Neubarock“, lästerte die „Zeit“. Das Siegerlied habe nur deshalb gewonnen, weil es als letztes vorgestellt wurde und die Zuschauer dieses im Gedächtnis hatten. Der Aalener Volkskundler Hermann Bausinger lästerte noch in der Sendung, die acht Lieder machten den Eindruck, als seien die besten 442 Entwürfe schon vorher ausgeschieden.

Die Fernsehzuschauer wählten den Beitrag von Josef Weiß aus Murr an der Murr mit 53,9 Prozent zum Sieger. Doch dessen Hymne geriet schnell in Vergessenheit. Das Lied Feils („ Wo die Burgen und Schlösser ragen mächtig, wo der Münster, der Städte Glanz so prächtig...“) landete damals auf dem undankbaren Platz zwei. Doch er hat nicht aufgegeben, ist von der Komposition überzeugt und hat sie mit dem Hochschulprofessor Hubert Moßburger überarbeitet. Dank sozialer Netzwerke kann seine Landeshymne viel besser bekannt gemacht werden als zur Entstehungszeit, dachte er und hat das Lied  auf „Youtube“ eingestellt. Die Version haben der Pianist Felix Meyerle und der Bariton-Preisträger Simon Stricker eingespielt. Aktuell hat der Song über 3600 Aufrufe, und jeder kann sich von der Qualität selbst überzeugen. „Stolz das Antlitz unsrer Heimat: Alb und Schwarzwald, Bodensee. Baden-Württemberg, du schönes Land, treu zu dir ich steh... “

Der Text der Landeshymne

 

1. Land der Wälder, der Hügel und des Weines, Land der Donau, des Neckars und des Rheines ist unser Baden-Württemberg. Stolz das Antlitz unsrer Heimat: Alb und Schwarzwald, Bodensee. Baden-Württemberg, du schönes Land, treu zu dir ich steh! Baden-Württemberg, du schönes Land, treu zu dir ich steh! 2. Wo die Burgen und Schlösser ragen mächtig, wo der Münster, der Städte Glanz so prächtig ist unser Baden-Württemberg. Kunst, Musik, Fleiß, Lebensfreude lassen uns verbunden sein.Baden-Württemberg, du schönes Land, einzig du bist mein! Baden-Württemberg, du schönes Land, einzig du bist mein!

 

3. Land der Badner, der Franken und der Schwaben, sie Geschichte, Kultur und Brauchtum gaben, ist unser Baden-Württemberg. Große Dichter, große Denker prägen uns auch heute noch. Baden-Württemberg, du schönes Land, Glück! Und lebe hoch! Baden-Württemberg, du schönes Land, Glück! Und lebe hoch!