Christian Klaiber muss kaum mehr befürchten, mit einem E-Auto liegen zu bleiben. "In vielen Bereichen kommt man ganz gut voran, nur in Südwürttemberg und nördlich von Heilbronn wird es noch ein bisschen eng", stellte der Leiter der "Initiative Zukunftsmobilität" bei seinen Inspektionen über mehreren 10 000 Kilometer fest.

Der Ingenieur aus Trossingen berät die Landesregierung beim Ausbau der Infrastruktur für die E-Mobilität. Dazu gehören Ladesäulen im ganzen Land. Klaiber sieht Baden-Württemberg im Bundesvergleich gut aufgestellt. "Aber unter den Blinden ist eben der Einäugige der König", sagte er der SÜDWEST PRESSE am Rand eines E-Mobilitätskongresses in Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall).

Der grün-roten Regierung ist das Fortkommen ohne Antrieb durch fossile Rohstoffe so wichtig, dass sie für die "Landesinitiative Elektromobilität" 80 Millionen Euro an Fördermitteln reserviert hat. Das Verkehrsministerium bezuschusst die Anschaffung von batteriebetriebenen Omnibussen und stellte eine steigende Nachfrage fest. Das Ministerium für den ländlichen Raum unterstützt 20 Modellprojekte, um die E-Mobilität außerhalb der Ballungsräume "ein großes Stück voranzubringen", erklärte Minister Alexander Bonde (Grüne). Damit solle auch zum Klimaschutz und zur Energiewende beigetragen werden.

Wichtige Werbeträger für den Elektroantrieb sind die Bürgerbusse. Igersheim im Main-Tauber-Kreis gilt mit seinem geleasten Vito E-Cell als Vorreiter. Seit einem Jahr ist diese Alternative zum eigenen Auto und Ergänzung des eher dürftigen öffentlichen Personennahverkehrs im Einsatz. Bei den täglich sieben Umläufen im Stundentakt ist der Bürgerbus nicht immer vollbesetzt, zog Bürgermeister Frank Menikheim eine Zwischenbilanz: "Die Inanspruchnahme wächst langsam, aber stetig." In den Teilorten sei das Interesse aber so gering, dass vom Liniensystem mit festen Fahrzeiten auf die Rufmethode umgestellt werde.

Igersheims Pioniergeist werden manche Kompromisse abverlangt. Weil das Gemeindegebiet relativ langgestreckt sei, habe es für die Ortsteilroute einiger Phantasie und guter Planung bedurft, "dass die Reichweite des Busses auch bei ungünstigen Bedingungen im Winter für drei Umläufe reicht", erklärte Menikheim. Einen bauartbedingten Nachteil haben die Taubertäler auch entdeckt: Einstiegshilfen an den Türen seien wegen der Akkus im Unterboden nicht möglich.

"Warum gab's das nicht schon früher?", bekommt Vera Herzog in Boxberg, gleichfalls im Main-Tauber-Kreis gelegen, oft zu hören. Die Vorsitzende des Vereins "Wir verbinden Boxberg" erfährt nur Zustimmung für einen besonderen Mobilitätsservice, der seit 2. April dank eines elektrisch angetriebenen Renault Kangoo möglich ist. Ehrenamtliche Chauffeure sorgen für einen individuellen Fahrdienst von Haustür zu Haustür. "Es nutzt ja den Leuten nichts, wenn sie die letzten 500 Meter den Berg hoch laufen müssen", begründete Herzog die Boxberger Lösung.

Das 30 000 Euro teure Großraumauto beschaffte die Stadt mit 50-prozentigem Zuschuss des Landes. Die XL-Version bietet nicht nur Platz für fünf Personen, auf der Ladefläche lassen sich neben Rollatoren die Einkäufe verstauen. Für das Fahrzeug brauchen die 23 ehrenamtlichen Lenker keine spezielle Erlaubnis.

Die Boxberger Beförderung stößt nicht nur auf Interesse bei anderen Kommunen, Vera Herzogs Verein wurde jetzt auch ausgezeichnet mit dem ersten Preis der Kategorie "Mensch und Umwelt" im Landeswettbewerb "Echt gut". Die Jury lobte insbesondere, dass "mobilitätseingeschränkten Bürgern die aktive Teilhabe am Ortsleben und kommunalen Miteinander" ermöglicht werde.

Unterwegs für die Wissenschaft

Bewertung Die Erkenntnisse der Modellprojekte werden von Wissenschaftlern ausgewertet. In die Evaluation fließen auch Daten der E-Busse in Salach, Ebersbach und Uhingen ein. Wegstrecken zwischen 80 und 120 Kilometer am Tag gelten als optimales Szenario. Die Entwicklung alternativer Antriebe ist im exportorientierten Autoland Baden-Württemberg besonders wichtig.

Lob Minister Bonde sieht die Modellprojekte "auf einem guten Weg". Als "besonders positiv"bezeichnete der Grüne die meist ehrenamtliche und interkommunale Ausrichtung. Dadurch werde eine umfassende Bürgerbeteiligung gesichert. Das große Interesse verdeutliche, "dass sich die Elektromobilität nicht mehr auf Großstädte beschränkt, sondern inzwischen im Ländlichen Raum angekommen ist, wo 34 Prozent der Bevölkerung wohnen". hgf