Bildung Eisenmanns Schulleitungs-Pläne im Detail

Schulleiter sollen besser unterstützt werden.
Schulleiter sollen besser unterstützt werden. © Foto: Marius Becker/dpa
Stuttgart. / Axel Habermehl 14.09.2018
Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Unterstützung: Wie Kultusministerin Eisenmann die Situation der Rektoren verbessern will.

Als der Landesrechnungshof 2014 die Lage der Schulleiter untersuchte, geizte er nicht mit Kritik. Schulische Managementaufgaben seien „umfangreicher und komplexer geworden“. Rektoren hätten immer mehr Aufgaben in immer weniger Zeit zu erfüllen, das Unterstützungspersonal reiche nicht, das Berichtswesen sei aufwändig, die IT-Ausstattung dürftig. Aus- und Fortbildung seien schwach, praktikable Vorschriften und Checklisten fehlten. Kurzum: „Den Schulleitungen wird immer mehr abverlangt.“

Verwaltung statt Lehre

Unter Lehrern ist der Job unbeliebt. Zu wenige Pädagogen wagen den Schritt an die Spitze des Kollegiums, mit dem statt Lehre viel Verwaltung und Ärger einhergeht – aber nicht viel mehr Geld. Die Folge: Landesweit fehlen Bewerber. Kürzlich recherchierte die „Schwäbische Zeitung“, dass zum Beginn des neuen Schuljahres 156 Schulen ohne echten Leiter dastehen.

Die grün-schwarze Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, die Lage der Rektoren zu verbessern. Nun liegt das Konzept von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor. Grünen- und CDU-Fraktion sollen es beraten, damit es im Dezember ins Kabinett kann. Das ist im Einzelnen geplant:

Mehr Geld

Das Konzept sieht eine höhere Besoldung an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen vor. Grundschulrektoren werden bisher nach Besoldungsstufe A12 bezahlt, dazu bekommen sie eine Zulage. Künftig sollen Leiter von Grundschulen mit mehr als 40 Schülern nach A13 verdienen, wie ihre Kollegen an anderen Schularten auch. An Haupt- und Werkrealschulen soll sich die Besoldung an Funktionsstellen in Real- und Gemeinschaftsschulen orientieren. Damit wären alle Schulen der Sekundarstufe gleichgestellt. Das alles koste rund 16,8 Millionen Euro. Zusätzlich ist eine neue Zulage für Lehrer vorgesehen, die länger als drei Monate als kommissarischer Schulleiter einspringen. Klar beziffert werden kann diese Maßnahme nicht, geschätzt seien es rund 750.000 Euro.

Neue Stellen

Je nach Schulart und Schülerzahl gibt es zur Unterstützung der Schulleitung „Funktionsstellen“: Konrektoren, Stellvertreter, Abteilungsleiter. Sie will das Land ausbauen. „Durch Schulleitungsteams kann die Verantwortung auf mehrere Personen verteilt werden“, heißt es. Kleine Schulen etwa haben bisher keine Konrektoren. Dies soll geändert werden. Zusätzliche Kosten: etwa 2,5 Millionen Euro. An großen Gemeinschafts- und Realschulen, die zwischen 541 und 850 Schüler haben, soll zudem der Posten eines zweiten Konrektors eingeführt werden. Das koste 2,3 Millionen Euro.

Aus- und Fortbildung

Schulleiter sind auch nur Lehrer. Doch da sich der Job mit seinen vielen Management-Aspekten sehr von dem eines Pädagogen im Klassenzimmer unterscheidet, geht das Land die Aus- und Fortbildung an. So sollen entsprechende Anteile ins Lehramtsstudium, aber auch die einführende und berufsbegleitende Fortbildung soll verbessert werden. „Schulleiter sind sowohl Pädagogen als auch Führungskräfte. Um sie noch stärker zu befähigen, diese Führungsrolle zu übernehmen und erfolgreich auszuüben, müssen die bestehenden Fortbildungs- und Beratungsangebote weiterentwickelt werden“, begründet das Kultusministerium die Idee, für die es mit Kosten von rund 590.000 Euro rechnet.

Entlastung

Insbesondere Leiter kleiner Schulen sind oft „Mädchen für alles“. So kritisierte der Rechnungshof 2014: „Etwa ein Drittel der Schulleitungen bemängeln fehlende Hausmeisterkapazitäten. Teilweise müssen die Schulleiterinnern oder andere Lehrkräfte hausmeisterliche Dienste übernehmen. (...) Noch gravierender ist die Situation bei den Sekretariatsdiensten. Über die Hälfte der Schulleitungen beklagen fehlende Kapazitäten.“

Verantwortlich ist aber nicht das Land, sondern die Schulträger vor Ort, meist Kommunen. Sie will das Land nun stärker anhalten, die Schulen entsprechend auszustatten. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll unverbindliche „Leitlinien für eine sinnvolle und für erforderlich gehaltene Personalausstattung“ erarbeiten.

Verwaltung

In einem Modellversuch zur „Schulverwaltungsassistenz“ wurde erprobt, wie solche Assistenten Rektoren entlasten können. Die Ergebnisse seien so gut, dass das auf alle großen Schulen – mindestens 1000 Schüler, 1500 Wochenstunden oder mindestens 70 Lehrer – ausgeweitet werden soll Derzeit erfüllen rund 400 Gymnasien und berufliche Schulen diese Voraussetzungen. „Für kleine Schulen bietet das Konzept allerdings keine praktikable Lösung.“ Zudem will Eisenmann diesen Schritt wegen des Lehrermangels einige Jahre aufschieben. Sie rechnet mit Kosten von rund 12 Millionen. Auch die Kommunen müssten Kosten übernehmen.

Zeit

Ebenfalls erst in „Phase 2“ umgesetzt werden soll die „Erhöhung der Leitungszeit“. Rektoren müssen weniger unterrichten. Künftig soll es, je nach Schulart und Klassenzahl, noch weniger werden. Doch auch diese Entlastung, die mit rund 23,4 Millionen ziemlich teuer wird, soll wegen des Lehrermangels bis auf weiteres aufgeschoben werden.

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Millionen Euro. Das ist die Summe der Kosten, die Kultusministerin Eisenmann für die einzelnen Maßnahmen einkalkuliert, mit denen sie den Rektoren-Job verbessern will.

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