Pendler-Abwehr Eine Gemeinde macht dicht

Hier geht’s nach Wörth-Maximiliansau. Ende 2018 aber nur noch für Anwohner.
Hier geht’s nach Wörth-Maximiliansau. Ende 2018 aber nur noch für Anwohner. © Foto: Volker Knopf
Wörth / Volker Knopf 25.08.2018

Seit Jahrzehnten plagen sich die Bewohner von Wörth in der Metropolregion Rhein-Neckar mit Schleichverkehr herum. Pendler aus der Pfalz, die ihre ­Arbeitsstätten im nahen Karls­ruhe aufsuchen, kürzen durch den Ort ab, um dem täglichen Stau auf der Rheinbrücke zu ­entgehen. Sie stecken dann in Wörth und im Stadtteil Maximiliansau im Stau. In Wörth befindet sich mit dem Mercedes-Werk die größte LKW-Fabrik der Welt mit 11 500 Mitarbeitern. Und gleich hinter der Brücke ist die Miro, die zweitgrößte Raffinerie Deutschlands.

Der Stadtrat von Wörth hat nun beschlossen, zwei Schranken in Maximiliansau aufzustellen. „Die Situation ist dramatisch. Die Durchfahrtsverbotsschilder werden seit Jahrzehnten von den Pendlern ignoriert. Diese Maßnahme wird mit Sicherheit für Entlastung der staugeplagten Anwohner sorgen“, sagte Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD). Seine Partei hatte „radikale Maßnahmen“ gefordert. Kritik gab es von der CDU. „In Zeiten offener Grenzen sind Schlagbäume ein Symbol für das Mittelalter und schaden dem Image unserer Stadt“, sagte Stadträtin Stefanie Gerstner. Doch auch in Partei gab es Abweichler, die zustimmten. „Wir haben lange genug geredet. Nur physische Barrieren helfen noch“, so der Wörther SPD-Sprecher Jürgen Nelson.

Zwei Schranken kommen, die montags bis freitags von 6 bis 8.30 Uhr in Maximiliansau Pendler abweisen. Ausnahmeregelungen soll es zum Beispiel für Tagesmütter im Ort, Zulieferer, für Bürger, die in Maximiliansau arbeiten, Fahrgemeinschaften und natürlich für Polizei, Feuerwehr oder Krankenwägen. Für sie soll sich mit einer Transponder-Karte an der Windschutzscheibe die elektronische Schranke automatisch öffnen. Alle anderen bleiben außen vor. Bis Ende des Jahres sollen die Schranken in Maximilinsau installiert werden, weitere im Hauptort Wörth folgen.

Hintergrund der Aktivitäten ist die geplante Sanierung der Rheinbrücke bei Karlsruhe. Die Brücke, einzige Rhein-Querung in einem 30-Kilometer-Radius, soll 14 Monaten aufwendig saniert werden. Geplant sind vier Vollsperrungen, zusätzliche lange Staus auf der  schon staugeplagten Strecke programmiert.

Ob ihm klar sei, dass sein Ort nun ziemlich bekannt werde? „Das ist definitiv nicht die Bekanntheit, die wir suchen“, sagt Rathauschef Nitsche. „Aber so wie bisher konnte es einfach nicht weiter gehen.“

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