Land am Rand Eine Bahnfahrt, die verbindet...

Nicht nur am Flughafen gibt es Verzögerungen. Sondern – Überraschung! – auch bei der Bahn.
Nicht nur am Flughafen gibt es Verzögerungen. Sondern – Überraschung! – auch bei der Bahn. © Foto: dpa
Ulm / Kathrin Kammerer 27.07.2018

Abfahrt verzögert sich um 40 Minuten.“ Zeit für eine kreative Durchsage – die schwitzenden Fahrgäste müssen ja bei Laune gehalten werden. Stellwerkstörung? Verspätung des Vorgängerzuges? Nein, heute lieber nebulös: „Verspätet sich auf unbestimmte Zeit, me wois i au net.“ Kein Ding. Die Bahn ist ja auch ein Transport- und kein Kommunikationsunternehmen. Der Zug hat keine Lok munkeln die, die schon länger warten und noch mehr schwitzen. Ein paar steigen auf die Regionalbahn gegenüber um. Selbe Strecke, nur viel langsamer. Sie scheinen nicht mehr daran zu glauben, dass hier irgendwer noch ein neues Fahrwerk auftreiben kann.

Irgendwann geben auch wir auf: Neues Gleis, neues Glück? Nö, neue Verspätung. Eine Stunde später und eine Haltestelle weiter treffen wir auf alte Bekannte: Die, die zuvor auf die vermeintlich zuverlässigere Regionalbahn umgestiegen sind, kommen resigniert wieder zu uns. Ob da mittlerweile auch die Lok fehlt? Ein Lehrer verkündet seiner Klasse mitten im Abteil, dass dann halt morgen die erste Stunde ausfällt. Jubel – so schön kann Bahnfahren sein.

Schön ist auch der Sonnenuntergang am nächsten Bahnhof. Eine Dreiviertelstunde warten, weil der Anschlusszug schon weg ist? Macht nichts. Auf der Anzeigentafel ploppt auf, na, wer errät’s? Verspätung. Nun kommen ähnlich entnervte Menschen dank Galgenhumor intensiv miteinander ins Gespräch. Bahnfahren verbindet! In diesem Fall zwar verspätet mit dem Zielort. Aber dafür umso intensiver mit den Mitleidenden.

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