Baden-Baden Ein Schloss im Warte-Modus

Seit mehr als einem Jahr ist das Neue Schloss in Baden-Baden eingerüstet. Die Eigentümerin Fawzia Al Hassawi lässt sich mit dem Umbau zum Luxushotel viel
Seit mehr als einem Jahr ist das Neue Schloss in Baden-Baden eingerüstet. Die Eigentümerin Fawzia Al Hassawi lässt sich mit dem Umbau zum Luxushotel viel © Foto: Roland Seiter 
PETRA WALHEIM 04.09.2015
Die Badener sind bekannt dafür, dass sie meist ungemein entspannt unterwegs sind. Es gibt nicht viel, das sie aufregt oder aus der Ruhe bringt. Ja, es gibt auch welche, die sind anders. Keine Regel ohne Ausnahme. Aber für die Baden-Badener gilt das Klischee bestimmt.

Doch auch deren Geduld hat Grenzen, und die werden so langsam erreicht. Seit mehr als einem Jahr sehen sie ihr Neues Schloss auf dem Florentinerberg nur eingerüstet. Das Gebäude steht hoch über der Stadt und ist so markant, dass es nicht übersehen werden kann. Ebensowenig kann das Gerüst ausgeblendet werden, mit dem die Fassade eingepackt ist.

Für viele Baden-Badener ist das sicher ein Anblick, der schmerzt, und sie fragen sich, wie lange das noch so gehen soll. Eine Antwort gibt es vorerst nicht. Die Eigentümerin des Neuen Schlosses, die aus einer kuwaitischen Familie stammende Fawzia Al Hassawi, sagte der Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen in einem Arbeitsgespräch, sie wolle die Sanierung der Fassade in den nächsten Monaten angehen, damit das Gerüst abgebaut werden kann. Denn auch die OB kann das Gerüst nicht mehr sehen.

Doch der Denkmalschutz legt Wert darauf, dass erst eine "stimmige Gesamtplanung für das Neue Schloss" vorliegen solle, bevor Entscheidungen zur Fassadengestaltung getroffen werden. Diese Gesamtplanung ist in Arbeit. Fawiza Al Hassawi kündigte an, sie sei dabei ein "schlagkräftiges Team an Fachleuten" für den Innenausbau zusammenzustellen. Das soll aus einem fachkundigen Architekten, einem profilierten Innenarchitekten und einem Fachplaner für Haustechnik bestehen. Dazu muss der Leser wissen, dass aus dem Neuen Schloss, das gar nicht mehr so neu ist, ein Fünf-Sterne-Hotel werden soll mit 146 Zimmern und Suiten, Konferenzräumen, einem Pool- und Saunabereich sowie einem Restaurant. Der US-Hotelkonzern Hyatt soll das Haus betreiben. Die Investitionskosten wurden vor Jahren mit 90 Millionen Euro angegeben. Aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Der Plan für den Umbau steht seit über zehn Jahren. "Frau Al Hassawi lässt sich mit dem Umbau eben Zeit", sagt Pressesprecher Roland Seiter. Im Internet sind Texte zu finden, die verkünden, der kuwaitischen Schlossherrin gehe das Geld aus. Eine Bestätigung gibt es dafür nicht. Ihr Vater, der Geschäftsmann Mubarak Abdul-Aziz Al-Hassawi hatte das Gebäude, das 1388 erstmals urkundlich erwähnt wurde, Ende 2003 von Max Markgraf von Baden gekauft. Bis 1527 war das Schloss der Stammsitz der Markgrafen von Baden. In den 1990er Jahren sah sich der Markgraf außerstande, das Haus weiter in Schuss zu halten. 1995 ließ er das gesamte Inventar bei Sotheby's versteigern. Das spülte 40 Millionen Euro in die markgräfliche Kasse. Ende 2003 verkaufte er das Gebäude.

Mubarak Abdul-Aziz Al-Hassawi wollte das Schloss zum Luxushotel machen. Nach seinem Tod führte die Tochter den Plan fort. 2010 hieß es, das Fünf-Sterne-Hotel werde 2013 eröffnet. Nach den aktuellen Planungen soll die Eröffnung 2017 oder 2018 sein - oder doch später?

Die Baden-Badener müssen weiter warten. Da nutzt es auch nichts, der Stadt vorzuschlagen, sie solle das Schloss der Kuwaitin abkaufen und selbst sanieren. Wer soll das bezahlen? Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Fassadengestaltung bald in Angriff genommen wird. Denn wenn das Gerüst erst mal weg ist und die Baden-Badener ihr Schloss in neuem Glanz genießen können, wartet es sich leicht nochmal zehn Jahre.