Land am Rand Ein guter Gast ist selten allein

Heidelberg ist bei Touristen beliebt. Foto: Marius Becker/dpa
Heidelberg ist bei Touristen beliebt. Foto: Marius Becker/dpa © Foto: Marius Becker/dpa
Heidelberg / Hans Georg Frank 03.08.2018

Touristen auf Schiffen sind in Heidelberg nicht mehr willkommen. Wer als Kreuzfahrer den Kahn verlässt, kann auf schroffe Ablehnung stoßen. „No rivercruise tourists“, steht auf dem Schild eines Restaurants. Diese Spezies der Welterkunder habe viel zu wenig Zeit für sein System der Gastronomie, verteidigt der Wirt seine persönliche Bannmeile. Manchmal seien die Gäste so in Eile, dass sie wieder abzögen, bevor das bestellte Essen auf den Tisch komme.

Der Unmut über die Dalli-Dalli-Urlauber stößt auf großes Verständnis. Auch der Chef der städtischen Marketing-Firma mag die Eben-mal-rein-gucken-Leute nicht. Schließlich sollen die Übernachtungszahlen steigen, nicht nur die Ankünfte. Doch bei der Verweildauer sind die angestrebten drei Tage noch lange nicht erreicht. Heidelberg ist derzeit gerade mal gut für 1,95 Tage.

Vielleicht hilft ein Blick vom Neckar an den Main. In Wertheim hat sich ein hausgemachtes „Homehosting“ für auswärtige Touristen bestens etabliert. Anfangs wurden vor allem US-Amerikaner eingeladen, ein Stück des Alltags deutscher Familien beim Kaffeeklatsch kennenzulernen. Neuerdings richtet sich dieses persönliche Angebot auch an Chinesen. Von irgendwelchen Nachteilen für die Gastronomen ist Wertheims Vermarktern nichts bekannt. Auch nach Führungen gönnen sich die Gäste eine Stärkung in den Cafés und Restaurants. In Heidelberg, so scheint es, geht es beim Geschäft mit Ausflüglern um Fremden-Verkehr. In Wertheim wird Gast-Freundschaft praktiziert. Ein guter Gast ist selten Last.

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