Fernskiwanderweg Ausflugstipp: Skiwanderung im Schwarzwald

Schonach / Andreas Clasen 05.01.2018
100 Kilometer weit führt eine Skilanglauf-Strecke von Schonach über den Feldberg bis zum Belchen. Ein Naturerlebnis.

Atemberaubende Aussicht und atemberaubende Anstrengung, verschneite Wälder und schmerzende Beine, rasende ­Abfahrten und steile Aufstiege, erlösende Gipfel und verkrampfende Muskeln. Für wen sich das nach einem coolen Kurzurlaub anhört, für den oder die könnte der Fernskiwanderweg von ­Schonach über den Feldberg nach ­Belchen-Multen der perfekte Winter-Freizeittipp sein.  100 Kilometer zieht er sich durch den Schwarzwald. 2300 Höhenmeter sind zu überwinden. Ein sportliches Naturabenteuer. Hier sind die wichtigsten Informationen zu der Strecke.

Für wen ist der Weg geeignet? Wer die 100 Kilometer langlaufen will, sollte eine Grundfitness und eine gute Abfahrttechnik mitbringen sowie Erfahrung in klassischem Langlauf, sagt Heidi Spitz vom Sport- und Kulturamt Schonach. „Ein super Sportler muss man aber nicht sein.“ Sie hat schon viele kleine und große Gruppen auf der Strecke begleitet. „Ich kann mich etwa noch gut an einen Mann erinnern“, sagt sie,  „dessen Frau immer vornweg gelaufen ist, und er gehörte zu den Nachzüglern. Ich hab’ angeboten, ihm einen Shuttle zum Ziel zu organisieren, aber er hat immer wieder gesagt ,Nein, ich schaffe das’, und das hat er dann  auch, was nicht nur ihn, sondern auch mich riesig gefreut hat.“ Marco Geiger, ehrenamtlicher Mitarbeiter  des Vereins Arbeitsgemeinschaft Skiwanderwege Schwarzwald, hat auch schon Familien mit einer Art Kinderwagen auf Skiern auf der Strecke gesehen, aber er empfiehlt den Weg trotzdem nur Familien, deren Kinder schon 16 sind und Abfahrten auf Langlaufskiern gewohnt sind. Skating ist meistens auf der Strecke möglich, aber nicht überall – wie etwa auf einem ungespurten Teilstück am Feldberg.

Welche Touren sind möglich?  Der Rucksacklauf ist die sportlichste Art, den Fernweg zu erleben. Dabei absolvieren die Langläufer mit einem Rucksack die 100 Kilometer in nur wenigen Stunden. „Er findet, wenn das Wetter mitspielt,  stets am zweiten Februar-Samstag statt“, sagt Marco Geiger. Der 34-Jährige hat den Lauf 2013 in 7.11 Stunden gewonnen. Den Streckenrekord hält seit 1982 Georg Thoma. Der Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 1960 legte den Weg  in 5.51 Stunden zurück.

Für die „Normalen“ unter den Naturverrückten gibt es Drei- oder Fünf-Tagestouren. Da bleibt dann mehr Zeit, um die Landschaft zu genießen, längere Pausen zu machen oder um zu fotografieren. Marco Geiger ist im vergangenen Winter den Weg zu zweit in drei Tagen gelaufen. Die Etappen waren:

  • Schonach–Kalte Herberge (33km)
  • Kalte Herberge–Hinterzarten (25 km)
  • Hinterzarten–Belchen-Multen (42 km)

Fünf-Tagestouren mit Gepäcktransfer und Übernachtungen bieten auch Reiseveranstalter. Mögliche Etappen wären:

  • Schonach–Brend (rund 19 km)
  • Brend–Waldau (rund 20 km)
  • Waldau–Hinterzarten (rund 19 km)
  • Hinterzarten–Notschrei rund (26 km)
  • Notschrei–Belchen-Multen (rund 14 km)

Welche Passagen sind besonders schwer?  „Die Abfahrt ,Notschrei zum Wiedner Eck’ ist nicht ohne und auch andere Abfahrten haben es in sich“, sagt Geiger. Da sollte man schon Übung mitbringen. Anstrengend, aber auch wundervoll abenteuerlich sei zudem das ungespurte Teilstück Rinken – Grüblesattel am Feldberg.

Wann sind die Bedingungen gut? Das ist pauschal nicht zu sagen, weil das natürlich vom Wetter abhängt. Geiger empfiehlt, erst den Rucksack für die Tour zu packen, wenn die Vorhersage passt und alle Loipen „offen“, also präpariert sind. Das kann man  im Internet auf Loipenportal.de kontrollieren. Dazu einfach dort „Südschwarzwald“ anklicken und in der Spalte „Freitext“ „Fernski“ eintragen. Es erscheinen die Fernskiwanderweg-Etappen untereinander. Sind daneben die  Punkte grün, sind die Loipen „offen“. Heike Spitz gibt den Tipp: Gerade in den Tagen um den Rucksacklauf sind die Loipen oft sehr gut präpariert.

Was ist ein gutes Training? Geiger empfiehlt  für die Drei- oder Fünftagestouren  vorher an zwei, drei Wochenenden Langlaufrunden über 20 Kilometer mit Rucksack als Training.

Was ist die beste Anreise? Da der Weg keine Rundstrecke ist, sollte man mit Bus und Bahn anreisen  und die Strecke am besten von Schonach  nach Belchen-Multen laufen, da sie nur in diese Richtung markiert ist.

Was ist beim Gepäck zu beachten? Das Motto ist dasselbe wie beim Wandern: nur das Nötigste mitnehmen. Stirnlampe, Notration (Studentenfutter zum Beispiel), was zu trinken, Handy für den Notfall, Notfallapotheke, Loipenkarte, Wechsel- und Ersatzklamotten wie etwa Mütze, Handschuhe, Unterwäsche. Zur Orientierung: Beim Bergwandern sollte der Rucksack nicht schwerer als 8 Kilogramm sein, und beim Rucksacklauf beträgt das Rucksack-Mindestgewicht  4 Kilo (Herren) oder 3 Kilo (Damen).

Gibt es Übernachtungsmöglichkeiten? Eine Liste mit Unterkünften entlang der Strecke findet sich unter www.fernskiwanderweg.de wie auch viele weitere Informationen.

Viele Alternativen

Im Südwesten ist Skilanglauf vielerorts möglich – längst nicht nur im Schwarzwald. Wer etwa lieber mal auf der Schwäbischen Alb die Bretter unterschnallen will, kann sich auf der Seite www.schwaebischealb.de/Aktiv/Winterwelt gut informieren.

Wem normales Skilanglaufen zu langweilig ist, könnte Biathlon ausprobieren. Hier bieten Vereine immer wieder Biathlonstunden an – wie  etwa  der Wintersportverein Schömberg (www.wsv-schoemberg.de). ac

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