Ettlingen Durchhalteparolen von Wolf und Merkel auf dem CDU-Parteitag kurz vor der Wahl

Sie üben den Schulterschluss auf dem CDU-Parteitag in Ettlingen: Spitzenkandidat Guido Wolf, Kanzlerin Angela Merkel und Landeschef Thomas Strobl.
Sie üben den Schulterschluss auf dem CDU-Parteitag in Ettlingen: Spitzenkandidat Guido Wolf, Kanzlerin Angela Merkel und Landeschef Thomas Strobl. © Foto: dpa
Ettlingen / ROLAND MUSCHEL 05.03.2016
Auf ihrem Landesparteitag in Ettlingen versucht die Südwest-CDU, den schlechten Umfragewerten zu trotzen. Bundeskanzlerin Merkel und Spitzenkandidat Wolf üben den Schulterschluss.

"Natürlich sind diese Umfragen Tiefschläge", leitet die Generalsekretärin der Südwest-CDU, Katrin Schütz, den 68. Landesparteitag ein. Aber die CDU Baden-Württemberg, fährt sie fort, "wird jetzt aufstehen und kämpfen." Kurz darauf sagt CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf, dass es "für den einen oder anderen geradezu ein Stahlbad" sei. Wohl noch nie in ihrer Geschichte hat sich die Südwest-CDU unter derart widrigen Umständen zum Parteitag getroffen - und das kurz vor der Landtagswahl. Umfragen sehen die Grünen vor der CDU und die Christdemokraten nur zwischen 28 und 30 Prozent. Man habe nun zwei Möglichkeiten, ruft Wolf den Parteifreunden in der Albgauhalle in Ettlingen zu: Entweder man ergebe sich schicksalsergeben den Umfragen - oder man sage sich: "Jetzt erst recht!"

Jetzt erst recht. Es ist die eine Botschaft, die von diesem Parteitag ausgehen soll. Die andere: Wenn's darauf ankommt, steht die CDU zusammen - und damit hinter ihrer Bundeskanzlerin. Und die hinter dem Kandidaten. Dass Wolf erst kürzlich nach österreichischem Vorbild und in Widerspruch zu Merkel tagesaktuelle Kontingente gefordert hat; dass Merkel bei ihrem ersten Auftritt im baden-württembergischen Wahlkampf in Weingarten die grün-rote Landesregierung noch mit Samthandschuhen angefasst hatte: all das spielt nun keine Rolle mehr.

"Wir brauchen eine europäische Lösung und wir stärken unsere Bundeskanzlerin auf dem Weg zu dieser europäischen Lösung", ruft Wolf, nun ganz Merkel-Versteher, den Parteifreunden mit Blick auf die Flüchtlingskrise zu. Merkel wiederum, die direkt aus Paris nach Ettlingen gekommen ist, greift Grün-Rot hart an. Die früheren CDU-Ministerpräsidenten hätten in Berlin immer um mehr Geld für den Straßenbau gekämpft. "Jetzt muss man der Landesregierung das Geld fast hinterhertragen." Und: Grün-Rot habe von der Substanz gelebt. "Nicht verzehren, sondern mehren - diese Zeit muss nach dem 13. März wieder kommen." Den grünen Regierungschef Winfried Kretschmann aber, der Merkel bei jeder Gelegenheit lobt, greift die Kanzlerin nicht direkt an. Sie erwähnt ihn gar nicht.

Ein Signal zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen, das sich viele Wahlkämpfer wünschen würden, hat die Kanzlerin kurz vor dem EU-Gipfel erwartungsgemäß nicht im Gepäck. Gemeinsam gegen Grün-Rot, das ist der gemeinsame Nenner. In den neun Tagen bis zur Wahl gehe es darum, den Wählern zu zeigen, dass innerhalb der CDU "das Gemeinsame überwiegt", sagt Merkel mit Blick auf die Flüchtlingspolitik. Danach könne man wieder strittig diskutieren. Jetzt aber gelte es, gemeinsam zu kämpfen, schließlich gebe es noch viele Unentschiedene. "Gezählt wird an der Urne!"

Die 1100 Delegierten und Besucher jubeln Merkel zu, wie sie zuvor auch Wolf zugejubelt haben. Doch auf den Gängen ist die Stimmung weit gedämpfter. Die sei zwar besser als die Umfragen, erzählen viele Kandidaten. Die Hoffnung, dass die CDU noch vor den Grünen landet, ist verbreitet. Auch 2011 hätten sich viele spät noch für die CDU entschieden, seien noch 39 Prozent erreicht worden, nach Umfragewerten von teilweise 35 Prozent, sagt ein erfahrener Wahlkämpfer.

"Wer rechts wählt, wird links regiert", warnt Wolf mögliche AfD-Wähler. Aber an einen Erfolg nach alten Maßstäben glauben selbst Optimisten nicht mehr. Schneidet die CDU "nur" schlechter ab als jemals zuvor - oder auch schlechter als die Grünen? So lautet die Frage. Die Pessimisten sehen die Umfragen als Menetekel. Doch bis zum 13. März, 18 Uhr, gilt, was Landeschef Thomas Strobl dem Parteitag zuruft: "Auf geht's Freunde, Attacke!"

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