Phonomuseum Dual: Vorzeigemarke aus dem Schwarzwald

St. Georgen / Von Petra Walheim 08.09.2018

Reiner Pöppe und sein Arbeitskollege Claus Mantler aus Altötting in Bayern haben mit ihren Motorrädern eine Ausfahrt nach St. Georgen gemacht. Vor allem Pöppe hat es in den Schwarzwald und schnurstracks ins Phonomuseum gezogen. Er ist Dual-Fan mit Leib und Seele. Die Firma aus St. Georgen war zeitweise der größte Hersteller von Plattenspielern und Phonotechnik in Europa. 1982 war damit Schluss, die Firma war pleite. Das Phonomuseum in der Innenstadt informiert über die Anfänge, den Aufschwung und den Niedergang der Phonotechnik in der Stadt.

Vom Niedergang möchte Reiner Pöppe erst mal nichts wissen. Er erzählt Jürgen Weisser, Sprecher des Arbeitskreises Deutsches Phonomuseum, bei seinem Rundgang, welche Geräte von Dual er in der Wohnung stehen und noch in Betrieb hat. Der Name Dual hatte bis Anfang der 1980er Jahre in der Phono-Welt einen guten Klang. Es gibt ihn heute noch, steht aber nach dem Konkurs 1982 nicht mehr zwangsläufig für hochwertige Qualität aus St. Georgen. Die Konkursverwaltung habe den Namen mehrfach verkauft, sagt Jürgen Weisser.

Er kennt die Geschichte des Wandels von der Uhrenindustrie hin zur Phonotechnik aus dem Effeff, hat selbst bei PE eine Lehre zum Elektromechaniker gemacht. Deshalb schwingt viel Herzblut mit, wenn er von der Uhrmacher-Familie Steidinger erzählt: Die hatte sieben Kinder, lebte von der Landwirtschaft und der Uhrmacherei. Die zwei ältesten Söhne Christian und Josef  machten sich um 1900 in der Stadt, die damals um die 3000 Einwohner hatte, mit Betrieben für Uhren-Bestandteile und Werkzeuge selbstständig. „Sie erreichten eine marktbeherrschende Stellung im Ort“, sagt Weisser.

1907 taten sich die Brüder zusammen, gründeten die Firma „Gebrüder Steidinger, Fabrik für Feinmechanik“ und fingen an, federgetriebene Uhrwerke so umzubauen, dass sie Grammophone antreiben konnten.  Und das in so herausragender Qualität, dass die Nachfrage explodierte. Innerhalb kürzester Zeit bauten sie ihre Firma so aus, dass sie innerhalb eines Vierteljahres 50 000 Federwerke für Grammophone produzieren konnten.

1911 knallte es zwischen den Brüdern, jeder ging seines Wegs: Christian Steidinger entwickelte Antriebssysteme, die Elektromotoren und Federwerke kombinierten. Daraus entstand der Name Dual. Josef Steidinger gründete die Firma „Perpetuum, Schwarzwälder Federmotoren und Automatenwerke“, die später unter dem Namen „PE“ produzierte.

Bis 1972 lagen die Brüder im Konkurrenzkampf, was die Entwicklung neuer Produkte durchaus beflügelte. In der dritten Generation wurde ein erneuter Zusammenschluss versucht. Als Firmen-Name wurde Dual gewählt, „weil es die größere Firma war“, sagt Jürgen Weisser. Zu ihren besten Zeiten hatte Dual 3500 Mitarbeiter, die in elf Werken vom Elsass bis zum Bodensee Plattenspieler und Phonotechnik produzierten. Allein in St. Georgen gab es fünf Werke mit 2600 Mitarbeitern. „Damals war Dual der größte Arbeitgeber im Ort“, sagt Jürgen Weisser.

„Doch dann wurden Konkurrenz und neue Entwicklungen unterschätzt“, sagt Weisser. Als ihnen klar wurde, dass die CD den Markt erobert, war es zu spät. 1982 musste die Firma Konkurs anmelden. „Das war ein harter Schlag für St. Georgen“, sagt Weisser. Auf einen Schlag seien 1300 Einwohner abgewandert.

Aktuell produzieren in St. Georgen zwei Firmen Plattenspieler, eine davon unter dem Namen Dual. Im Jahr der Firmengründung von Dual, 1972, hat sich Reiner Pöppe von seinem ersten selbst verdienten Geld einen Dual-Plattenspieler gekauft. Ein Jahr später einen Tuner. Alle Geräte sind noch in Betrieb und in gutem Zustand. „Das ist eben hochwertige Qualitätsarbeit aus dem Schwarzwald“, sagt er.

400 Ausstellungsstücke

Im Deutschen Phonomuseum
in St. Georgen werden um
die 400 Exponate gezeigt. Etwa zur Hälfte sind es Geräte und Teile der
Firmen Dual und PE. Geöffnet  ist die Ausstellung von Mai bis Oktober dienstags bis sonntags von 11 bis
17 Uhr, von Dezember bis April mittwochs bis sonntags zur gleichen Zeit. Jeden Monat wird eine Sonderführung angeboten, die im Eintrittspreis
(5 Euro) enthalten ist. Mehr Infos
unter 07724/85 99 138. wal

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