Kernenergie Dritte Fracht mit Atommüll abgeliefert

Angekettet: Atomkraftgegner auf einer Brücke.
Angekettet: Atomkraftgegner auf einer Brücke. © Foto: dpa
Neckarwestheim / Hans Georg Frank 12.10.2017
Auch beim dritten Atommüll-Transport auf dem Neckar gab es Proteste. Zwei Störversuche konnten den Schubverband aber nicht aufhalten.

Planmäßig erreichte am Mittwoch-Nachmittag der dritte Atommülltransport das Zwischenlager in Neckarwest­heim. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf“, sagte Thomas Berger, Vize-Chef des Polizeipräsidiums über den Einsatz in Göppingen, der SÜDWEST PRESSE. Zwei Störaktionen von Aktivisten bei der Schleuse Gundelsheim hatten das Spezialschiff mit der hochradioaktiven Fracht aus dem Kernkraftwerk Obrigheim nicht stoppen können.

Zunächst stiegen vier Schwimmer der Organisation „Robin Wood“ in den Fluss, um gegen die „unsinnige und gefährliche Atommüll-Verschieberei auf dem Neckar“ zu protestieren. Das Quartett wurde unverzüglich auf Polizeiboote gezogen.

Am Brückengeländer über der Schleusenkammer hatten sich fünf Atomgegner angekettet. Sie gingen davon aus, dass wegen der Strahlenbelastung das Schiff nicht unter ihnen durchfahren würde. Die aus drei Castoren bestehende Ladung enthalte über 144 Kilogramm Plutonium, „das ist das Zigfache einer Atombombe“, erklärte der Aktionssprecher Herbert Würth. Die Polizeiführung ignorierte die Angeketteten. „Es bestand keine Gefahr für die Menschen und den Schubverband“, erklärte Berger.

Für die Begleitung der dritten Fahrt nutzte die Polizei die gesammelten Erfahrungen. Die Mannschaftsstärke wurde nach unbestätigten Angaben gegenüber der Premiere halbiert. Routine war auf der 50 Kilometer langen Route spürbar. Nun hoffen die beamteten Begleiter, dass die beiden letzten Transporte noch in diesem Jahr starten.

Die Überführung von insgesamt 342 Brennelementen aus Obrigheim ist nach Angaben des Betreibers ENBW notwendig, um das Reaktor­areal in eine „grüne Wiese“ zu verwandeln. Im Neckarwestheimer Standort-Depot muss der strahlende Abfall jahrzehntelang aufbewahrt werden. Die Gemeinde hat sich dagegen vergebens gewehrt. Ursprünglich hatte die Aufsichtsbehörde das Zwischenlager nur für Brennelemente genehmigt, die in Neckarwestheim verbraucht worden sind.