Die elektronische Fußfessel ist in den Schlagzeilen. Vergangene Woche lobte sie Göttingens Polizeipräsident Robert Kruse aus gutem Grund als "sehr hilfreich": Nach einem versuchten Mord an einer Rentnerin konnte ein erst vor kurzem aus der Haft entlassener Straftäter dank seiner Fußfessel-Daten als dringend tatverdächtig gefasst werden. Andererseits hat im Sommer 2013 ein rückfälliger Sexualstraftäter in Bayern trotz Fußfessel ein siebenjähriges Mädchen missbraucht. Und Ende Dezember ging in Baienfurt (Kreis Ravensburg) ein Einkaufsmarkt in Flammen auf: Die Ex-Sicherungsverwahrte Carola E. hatte knapp zwei Wochen zuvor ihre elektronische Fußfessel einfach durchschnitten und war untergetaucht.

Der dadurch ausgelöste Alarm kam im hessischen Bad Vilbel an, wo seit zwei Jahren die Gemeinsame elektronische Überwachungsstelle der 16 Länder (GÜL) ihren Sitz hat. Seit drei Jahren können Gerichte Straftätern, die ihre lange Haft voll verbüßen mussten, danach im Rahmen der "Führungsaufsicht" eine Fußfessel anordnen. Derzeit gibt es insgesamt 69 solche Fußfessel-Träger, wie der Sprecher des für die GÜL zuständigen hessischen Justizministeriums, Hans Liedel, der SÜDWEST Presse sagte - drei davon leben in Baden-Württemberg.

Im Rahmen eines Modellversuchs waren es hier schon einmal mehr. Denn die CDU/FDP-Koalition im Land hatte Fußfesseln in bestimmten Fällen auch statt Haftverbüßungen ermöglicht. Grün-Rot hat damit Schluss gemacht, in Hessen aber gibt es das noch, auf freiwilliger Basis. Reklamationen wegen technischer Probleme gebe es mit der Fußfessel kaum, sagt Liedel. Allerdings müssten die Träger von der GÜL via Handy öfter daran erinnert werden, die etwa 16 Stunden laufenden Akkus rechtzeitig aufzuladen.

Bund und Länder lassen vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen in einem Forschungsprojekt seit Oktober die Anwendung und Wirkungsweise der Fußfessel untersuchen. Direktor Jörg Kinzig erwartet in einem Jahr erste Ergebnisse