Noch vor sechs Jahren galt der Tiefseesaibling als ausgestorben. Nun berichten Wissenschaftler vom Fang mehrerer Exemplare im Bodensee. Zehn Fische gingen nach Angaben der Fischereiforschungsstelle 2015 ins Netz, sechs Exemplare waren es 2014. „Das war wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt Forschungsstellenleiter Alexander Brinker in Langenargen (Bodenseekreis).

Die ersten Tiefseesaibling-Fänge machten die Wissenschaftler schon im Rahmen des internationalen „Projet Lac“, als vor zwei Jahren im Bodensee mit Netzen in bis zu 250 Metern Tiefe aufwendig und gezielt nach verschiedenen Arten gesucht wurde. Doch erst jetzt – nach weiteren Untersuchungen – gingen die Fischereiexperten mit der guten Nachricht an die Öffentlichkeit.

„Fischereiwirtschaftlich hat dieser Fund keine größere Bedeutung“, erklärt Brinker. „Doch zur Erhaltung der Artenvielfalt ist er immens wichtig.“ Die Internationale Naturschutzunion IUCN mit Sitz im Schweizer Gland hatte die Tiefenform des Saiblings im Jahr 2008 für ausgestorben erklärt. Jahrelang war gezielt nach dem Fisch gesucht worden – ohne Ergebnis.

Die nun kurz vor der Laichzeit gefangenen Exemplare kommen aus einer Seetiefe von ungefähr 80 Metern. Für den Laien seien die Tiefseesaiblinge kaum von normalen Saiblingen zu unterscheiden, so der Fischereibiologe: „Sie haben eine geringere Endgröße und nach außen stehende Zähne.“ Der Salvelinus Profundus, wie er mit lateinischem Namen heißt, kommt nur im Bodensee vor. Er gehört zur Familie der Lachsfische, erreicht eine Länge von rund 24 Zentimetern und ernährt sich von Würmern, Krebsen und Muscheln.

Nach Angaben der Fischereiforschungsstelle landete er bis in die 1970er Jahre noch regelmäßig in den Netzen. Dann gerieten die Bestände vermutlich wegen der Überdüngung des Gewässers unter Druck, so Brinker. „Normale Saiblinge kamen wohl mit der Situation besser zurecht.“ Exemplare des ebenfalls als ausgestorben geltenden Kilchs, der Tiefenform des Felchens, gingen den Forschern nicht ins Netz.