Freiburg Diskussionen um Disco-Verbote für Migranten

DPA 25.01.2016
Ihr dürft hier nicht rein: Freiburger Disco-Türsteher weisen Ausländer ab, weil Frauen belästigt worden sein sollen. Die Stadt warnt vor Generalverdacht.

Nach einem Bericht über verschärfte Einlassregeln für Ausländer in Clubs und Discos in Freiburg will die Stadt prüfen, ob die Betreiber pauschal Menschen diskriminieren. "Man muss erstmal eruieren, ob es ein Zutrittsverbot gibt und wie das umgesetzt wird", sagte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) am Sonntag. "Es gilt das Diskriminierungsverbot. Man darf nicht eine Personengruppe pauschal ausschließen." Nach Recherchen der "Badischen Zeitung" haben Ausländer in Freiburg derzeit Probleme, ungehindert Diskotheken und Clubs zu besuchen. Die Betreiber würden dies unter anderem mit sexuellen Belästigungen von Frauen, Diebstählen und Gewalt begründen, berichtete das Blatt.

Von Kirchbach erklärte dazu: "Uns war das nicht als akutes Problem bekannt." Überwiegend verhielten sich die etwas mehr als 3000 in der Stadt untergebrachten Asylbewerber "ordentlich", "schwarze Schafe" gebe es überall. Polizeisprecherin Laura Riske bestätigte dies, von sexuellen Übergriffen durch Ausländer in Clubs sei ihr nichts bekannt.

Nach Erkenntnis des Gaststättenverbands Dehoga haben Baden-Württembergs Gastronomen bisher nur selten Probleme mit Ausländern gehabt, sagte Sprecher Daniel Ohl: "Es ist wirklich kein Massenphänomen." Nach Recherchen der "Badischen Zeitung" wurden in einer Reihe von Freiburger Tanzlokalen zuletzt Frauen belästigt, es gab zudem eine versuchte Vergewaltigung. Mindestens sechs Gastrobetriebe hätten die Einlasspolitik geändert. Ein Club habe eine Höchstgrenze für einzulassende Ausländer festgesetzt. Ein anderer mache es von der Veranstaltung abhängig, ob Migranten Zutritt haben. Für den Club "White Rabbit" benötigt der Gast eine spezielle Einlasskarte, die nur erhalte, wer Gewalt, Sexismus und Diskriminierung ablehne.

"White Rabbit" schrieb der Zeitung vor Veröffentlichung des Artikels per E-Mail: "Wir tolerieren weder Sexismus, Aggressivität oder gar Gewalt, noch ausgrenzendes Verhalten gegenüber Menschen wegen ihres Geschlechts, sexueller Zugehörigkeit, Herkunft, oder Religion. Wer sich damit nicht identifizieren kann, sollte keine Clubkarte beantragen." Später stellte der Club die Mail auf Facebook: "Momentan arbeiten wir intensiv daran, wie wir z.B. Geflüchtete besser in das Nachtleben integrieren können."

"Die Willkommenskultur ist in Freiburg stark ausgeprägt. Aber es muss auch eine Anerkennungskultur geben, was die Gesetze betrifft", sagt von Kirchbach. Er wolle beraten, inwieweit die Stadt Verhaltenskonzepte erstellen könnte, um Asylbewerbern den Start in Deutschland zu erleichtern.