Großeinsätze Digitaler Helfer soll Leben retten

Der digitale Helfer soll Retter bei Großeinsätzen unterstützen.
Der digitale Helfer soll Retter bei Großeinsätzen unterstützen. © Foto: VOMATEC Innovations GmbH
Karlsruhe / Hans Georg Frank 27.02.2018
Wenn es bei Großeinsätzen viele Verletzte gibt, zählt jede Minute. Ein neues Gerät soll helfen, Prioritäten zu setzen.

Wenn besonders viele Opfer gleichzeitig versorgt werden müssen, soll der Einsatz der Rettungskräfte durch ein elektronisches Sensorsystem effektiver werden. Die Entwicklung des nützlichen Helfers ist dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu verdanken. „Rescue Wave“ heißt der Apparat, der seinen Praxistest  bei einer Übung von Katastrophenschützern im Landkreis Germersheim (Rheinland-Pfalz) bestanden hat. Auch bei einer Fachmesse in Fulda habe diese Technik „voll eingeschlagen“, stellte Wilhelm Stork fest.

Der Professor vom KIT-Institut für Technik der Informationsverarbeitung verspricht sich durch das Hilfsmittel „Ordnung statt Chaos bei Großschadensfällen“. Stork wurde zu der Erfindung inspiriert, als er eine Dokumentation über das schwerste Zugunglück in der deutschen Geschichte angeschaut hat. In Eschede (Niedersachsen) entgleiste am 3. Juni 1998 der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“, 101 Personen wurden getötet, 88 schwer und 15 leichter verletzt. An der Rettung seien 3000 Menschen mit fast 250 Fahrzeugen beteiligt gewesen, „aber die Lage war höchst unübersichtlich“, erkannte Stork. Seinerzeit wurde die Schwere der Verletzung mit farbigen Kärtchen markiert, einer aus Kriegszeiten bekannten und noch heute gebräuchlichen Methode („Triage“).

„RescueWave“ ist ein elektronisches Sichtungsgerät, mit dem der Notarzt die Opfer erfassen, lokalisieren und Informationen über den Patienten in Echtzeit an die Einsatzleitung weitergeben kann. Selbst im Durcheinander eines „Massenanfalls von Verletzten“ (MANV) sollen damit optimale Hilfen koordiniert sowie Krankenhäuser, Krisenstäbe und Leitstellen informiert werden. „Strichlisten, Klemmbretter und Kladden werden überflüssig“, erklärte Stork den Nutzen nach zehnjähriger Tüftelei. Missverständnisse würden vermieden, weil die Entscheidungen auf gesicherten Datengrundlagen getroffen werden könnten.

Serienreife erreicht

Das Gerät ist serienreif, der Hersteller in Bad Kreuznach wartet auf die ersten Großaufträge. Zum Stückpreis waren keine Informationen zu erhalten.

Wie wichtig zuverlässige Hilfe in Krisensituationen ist, geht aus einem Leitfaden der Landeshauptstadt München hervor. Demnach sterben 20 bis 37 Prozent der kritisch verletzten Personen nach Eintreffen der Rettungskräfte durch Missmanagement. Die Überlebensrate von Verletzten verringert sich demnach alle zehn Minuten um drei Prozent.

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