Freiburg Digitaler Blick in die Tiefe

Freiburg / PETRA WALHEIM 05.06.2015
Bauherren im Südwesten, die erwägen, ihr Heim mit Erdwärme zu heizen, können nun mit wenigen Klicks sehen, ob ihr Grundstück geeignet ist. Doch die Akzeptanz der Geothermie hat arg gelitten.

Laura und Markus wohnen in Bad Dürrheim und wollen sich ein Haus bauen. Bei den Planungen stellt sich auch die Frage, wie das neue Heim geheizt werden soll. Auf der Liste der Möglichkeiten stand kurzfristig auch die Erdwärmesonde. Doch der Blick in das landesweite Informationssystem oberflächennahe Geothermie machte schnell klar, dass die Nutzung der Erdwärme in Bad Dürrheim keine Option ist. Dort sind zu viele leicht lösliche Gesteine, also Salze, im Boden. Die Bohrtiefe ist zudem von vornherein beschränkt, die Bohrung würde etliche Risiken bergen. Über all das und einiges mehr gibt das nun landesweit verfügbare Informationssystem Auskunft.

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg hat es seit 2007 stufenweise aufgebaut. Begonnen wurde im Oberrheingraben, wo Bohrungen wegen heftiger Gesteinsverwerfungen teilweise höchst problematisch sind.

Mit den Daten aus dem Nordosten des Landes und von der Ostalb wurde im Frühjahr dieses Jahres die letzte Lücke im System geschlossen. Damit stehen Bürgern, Fachleuten und Behörden fast flächendeckend Daten über die Beschaffenheit der Gesteinsschichten in bis zu 400 Meter Tiefe zur Verfügung - Daten, die für die oberflächennahe Geothermie relevant sind.

Die erlebte in den Jahren 2007 und 2008 einen regelrechten Boom. 2007 wurden im Land knapp 4500 Erdwärmesonden gesetzt. Im Jahr danach fast 5000. Die Gründe dafür waren nach Auskunft von Christian Trapp vom LGRB verschiedene Förderprogramme des Bundes, des Landes und von Energieversorgern sowie ein hoher Ölpreis. "Da haben sich die Leute nach Alternativen umgeschaut."

Das damals so große Interesse gab auch den Ausschlag dafür, das Informationssystem aufzubauen. Die vielen Anfragen nach Erdwärme-Bohrungen überfluteten die Behörden. Die Datensammlung sollte die Verwaltung entlasten.

Dabei ist das Interesse inzwischen abgeflacht. Der Abwärts-Trend in der Statistik kam bereits 2009 und hält bis jetzt an. 2014 wurden nur noch gut 1000 Erdwärmesonden gebaut. Als Grund dafür nennt Trapp als erstes die Schadensmeldungen aus dem Land - vor allem aus Staufen im Breisgau. Dort wurden 2007 hinter dem Rathaus sieben Erdwärmesonden gesetzt. Dabei gelangte Wasser in die quellfähige Gipskeuper-Schicht. Seitdem hat sich der Boden unter der Altstadt Staufens um mehr als 30 Zentimeter gehoben, 262 Häuser sind beschädigt, und die Schäden nehmen weiter zu. Danach gab es Schadensmeldungen nach Erdwärmebohrungen aus einem Neubaugebiet in Rudersberg bei Schorndorf im Rems-Murr-Kreis und aus Böblingen.

Die Landesregierung hat bereits 2008 mit einer "Qualitätsoffensive" reagiert und die Anforderungen für den Bau und den Betrieb von Erdwärmeanlagen erhöht. Die Risiken und der aktuell niedrige Gas- und Ölpreis sind aber für die Akzeptanz der Erdwärme-Nutzung nicht förderlich. Deshalb hat sie im Mix der erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse einen sehr geringen Anteil. Für das Gelingen der Energiewende wird aber auch die Erdwärme gebraucht.

Auch deshalb wurde das Infosystem oberflächennahe Geothermie nun fast flächendeckend vervollständigt. "Es gibt nur wenige Bereiche, für die es kein geologisches Modell gibt", sagt Christian Trapp. Dazu gehörten Gebiete, in denen die Geologie schnell wechsle und deshalb keine zuverlässigen Aussagen gemacht werden könnten über den geologischen Aufbau des Untergrunds. Staufen ist so ein Gebiet.

Würden Laura und Markus im Allgäu, in Ulm, Stuttgart, Freiburg oder Friedrichshafen wohnen, wäre das Thema Erdwärme für sie interessant. Gibt man in die Suchmaske des Informationssystems diese Städte ein, meldet das System, dass dort Erdwärmesonden effizient arbeiten könnten.

Informationen fürs Bohren

Untergrund Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg hat das Informationssystem oberflächennahe Geothermie (ISONG) seit 2007 aufgebaut. Es liefert Informationen zur geothermischen Nutzung des Untergrunds bis maximal 400 Meter Tiefe und basiert auf dem geologischen 3D-Modell des Landes. Die ISONG-Daten zum geothermischen Potenzial, zu Einschränkungen und Risiken beim Bau von Erdwärmesonden sind im Internet mit wenigen Klicks abrufbar:

www.geothermie-bw.de

Grunddaten ISONG liefert die Grunddaten zur geothermischen Nutzung des Untergrundes kostenlos. In einer erweiterten Version werden weitere, spezifische Daten geliefert - diese müssen allerdings bezahlt werden, die Angaben sind vor allem für Planungsbüros gedacht.

Ranking Im Bundesländer-Wettbewerb 2014 um den größten Ausbau der oberflächennahen Geothermie steht Baden-Württemberg auf Platz fünf. An der Spitze steht Bayern. Es folgen Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Erdwärme-Liga Deutschland.

 

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