Prozess Dieb starb mit „Mein Kampf“ unterm Arm

Ort des Prozesses: Mosbach.
Ort des Prozesses: Mosbach. © Foto: Hans Georg Frank
Mosbach / hgf 20.07.2018

Unter den rechten Arm hatte der Dieb „Mein Kampf“ von Adolf Hitler gesteckt, in der Hand hielt er einen Reservistenkrug und einen Beutel voller Medaillen. Als der Besitzer den 55-Jährigen auf frischer Tat ertappte, griff er zur Waffe. Zweimal habe er „aus Zorn und Erregung“ auf den Oberkörper und den Kopf des Mannes gezielt, die Leiche habe er in der Scheune versteckt. Dieses Geständnis legte der Wirt des Gasthofs „Schwanen“ in Buchen-Götzingen (Neckar-Odenwald-Kreis) mit fünfjähriger Verspätung ab – nachdem sein Anwesen am 13. Januar dieses Jahres in Flammen aufgegangen war.

Jetzt muss sich der 55 Jahre alte Angeklagte wegen Totschlags vor dem Landgericht Mosbach verantworten. Er befindet sich seit 24. Januar in Untersuchungshaft. Das Schwurgericht hat für den Prozess Verhandlungstermine am 23. Juli und 13. August angesetzt.

Der angebliche Dieb wurde seit Februar 2013 vermisst. Der Vater von drei Kindern stammte aus dem 1400-Seelen-Dorf. Er war offenbar ein guter Bekannter des Wirtes, der ihn erschossen haben soll. Zu der tödlichen Begegnung ist es gekommen, nachdem der Angeklagte Geräusche gehört haben will. Er habe sich mit einer Pistole und einem Totschläger bewaffnet, sagte er der Polizei.

Das Opfer ist nach Mitteilung des Landgerichts „von dem Geschoss mittig in der Schädeldecke tödlich getroffen worden“. Es sei dann in ein gebogenes Eisenteil gefallen. Der Angeklagte habe sich über den Tod des Mannes vergewissert, das Metallstück herausgezogen und die Leiche in einem Zwischenboden seiner Scheune verborgen.

Die sterblichen Überreste waren nach dem Brand erst entdeckt worden, weil die Polizei einen Tipp bekommen hatte. Warum das Anwesen zum Raub der Flammen wurde, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden.

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